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Volksoper

"Sweet Charity": Musicals brauchen neue Mädchen

Liebe und entzückend, was will man mehr? Animiermädchen Charity (Lisa Habermann) hat zwar viele Verehrer, doch leider meint es keiner ernst.
Liebe und entzückend, was will man mehr? Animiermädchen Charity (Lisa Habermann) hat zwar viele Verehrer, doch leider meint es keiner ernst.Barbara Pálffy/Volksoper Wien
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Die Ausgrabung "Sweet Charity" gefällt, wiewohl wenige Ohrwürmer geboten werden. Lisa Habermann erfreut als lebhafte Protagonistin.

Es wird Zeit, dass sich die Musicals Heldinnen zulegen, die mehr im Kopf haben, als in Sex-Bars zu arbeiten und hinter Männern herzurennen. Wie wäre es mit einer emanzipierten, energischen Dame wie der TV-Moderatorin Lisa Wartberg im Udo-Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York"? Gut, "Sweet Charity" von Cy Coleman und Neil Simon stammt aus den Sechzigerjahren, die, trotz 1968er-Revolution, in puncto Feminismus nicht so fortschrittlich waren, wie man glauben sollte: Die Machos von damals hielten sich lang, teilweise sitzen sie noch immer am Regiepult. Die Chancen für Regisseurinnen haben sich erst in den letzten Jahren verbessert, auf der Bühne allerdings bieten neue Dramen schon länger spannendere Rollen für Ladies als früh verblichene Jungfrauen.

Der Film war da seit jeher nach allen Richtungen offener. Die Nachtklub-Sängerin Sally Bowles aus "Cabaret" (derzeit ebenfalls in der Volksoper zu sehen), das Werk hatte im gleichen Jahr wie "Sweet Charity" Premiere, handelt selbstbestimmt: Sie verliebt sich in einen Schriftsteller, der eher ein Softie ist, das gemeinsame Kind treibt sie ab, weil sie ihr Leben als Freigeist ("Bye bye, mein lieber Herr") fortsetzen will.