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Binnenschifffahrt

Rohstoffe retten die Bilanzen

KREMSER Im Donauhafen Krems (Bild) wurden im ersten Halbjahr rund 740.000 Tonnen an Gütern verladen.
Im Donauhafen Krems (Bild) wurden im ersten Halbjahr rund 740.000 Tonnen an Gütern verladen.(c) Günther Peroutka
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Mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen sind bisher die Donauhäfen. Sorgen bereiten vor allem die Rückgänge im Bereich Transportlogistik.

Die Lagerhäuser im Linzer Hafen sind seit Beginn der Coronakrise voll, die Bestände drehen sich jedoch nur wenig“, sagt Harald Kronsteiner, Hafendirektor des Linzer Hafens, bestehend aus Linz AG Hafen und Donaulager Logistics. Während der Umschlag im Lebensmittelbereich sehr gut laufe, sei er in vielen anderen Bereichen aber deutlich gesunken. „Das bemerken wir vor allem im Containerterminal. Hier sind Rückgänge von bis zu 20 Prozent zu verzeichnen“, berichtet Kronsteiner.

 

Ebbe und Flut

Eine Tendenz sei derzeit schwierig herauszulesen. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist der Wasserumschlag etwas gestiegen, der Landumschlag gesunken und der Gesamtumschlag Wasser und Land ebenfalls etwas gesunken. Die Hafenbahn verzeichnet einen minimalen Rückgang. Die Schiffsanlegungen sind im Vergleichszeitraum geringfügig gestiegen“, sagt der Hafendirektor. Deutlich gesunken sind die Aufträge im Bereich der Transportlogistik. „Hier ist die derzeit mangelnde Paarigkeit der Güterströme das Hauptproblem“, erläutert Kronsteiner.

Völlig weggebrochen sei das Spezialsegment, die Belieferung von Mittelmeerkreuzfahrtschiffen – andererseits sind die Linzer Hafenbecken derzeit voll belegt mit Flusskreuzfahrtschiffen, die aufgrund der Krise nicht fahren könnten. Für die Zukunft ist Kronsteiner aber zuversichtlich: „Wir haben aktuell festgestellt, dass langfristige Kundenbeziehungen sowie ein stadtkernnaher Logistikstandort von Vorteil sind. Vor allem in Zeiten, in denen die Produktionen wieder verstärkt nach Österreich zurückverlegt werden und das Thema ,Regionalität' an Bedeutung gewinnt. Im Bereich der Transport- und Lagerlogistik sehen wir hier ein großes Potenzial für den regionalen Aufbau einer spezialisierten Krankenhauslogistik.“

 

Sorgenkind Export

Im Plan ist hingegen der Wasser- und Landumschlag im Ennshafen. „Wir sind sehr grundstofflastig, deshalb hat es keine Auswirkungen von Corona gegeben“, erzählt Werner Auer, Geschäftsführer der Ennshafen OÖ GmbH. Sehr wohl zu spüren bekommen hätte den Lockdown und dessen Folgen die export- und industriegetriebene Logistik. Allerdings habe in den letzten Wochen eine leichte Erholung eingesetzt, sagt Auer.

Positiv ist das erste Halbjahr auch für den Hafen Krems verlaufen. Insgesamt wurden hier Güter mit einem Gesamtvolumen von rund 740.000 Tonnen verladen. „Das ist ein leichter Anstieg um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres“, teilt Gerhard Gussmagg, Geschäftsführer des Rhenus Donauhafen Krems. Die größten Zuwächse gab es dabei beim Schiffsumschlag. „In diesem Segment haben wir 303.000 Tonnen be- und entladen. Das war ein Anstieg um 44 Prozent“, sagt Gussmagg, der sich auch für die zweite Hälfte 2020 optimistisch zeigt.

Trotz Corona ein „passables Ergebnis“ erwartet auch die Geschäftsführung des Donauhafens Wien. Wie stark die Pandemie letztendlich das diesjährige Ergebnis des Hafen Wiens beeinträchtigen werde, könne derzeit seriöserweise aber noch nicht abgeschätzt werden, heißt es aus dem Unternehmen. Abzuwarten sei, wie schnell sich Wirtschaft, Kaufkraft und Konjunktur wieder in Richtung eines normalen Niveaus entwickeln – auch in internationaler Hinsicht. Ungeachtet dessen, werde jedoch konsequent weiter investiert, „zum Beispiel in ein neues Hochwasserschutztor für den Hafen Albern“, erklärt Wien Holding-Chef Kurt Gollowitzer. Weiters würden die Abläufe im operativen Geschäft optimiert, neue Akzente beim Umwelt- und Klimaschutz gesetzt. „Und wir haben durch entsprechende Maßnahmen, wie die Fusionierung von Teilgesellschaften, die Strukturen des Hafens Wien verschlankt und effizienter gestaltet.“ Heute konzentriere sich der Hafen Wien auf das logistische Kerngeschäft, „um auch in Zukunft mit seiner trimodalen Anbindung an die Verkehrsträger Wasser, Schiene und Straße zu punkten“, sagt der CEO.

 

Problematik Wasserstand

Auch Ennshafen-Chef Auer wagt keine genaue Prognose: „Es gibt zwei Unsicherheiten: Zum einen stellt sich die Frage, wie weit die Wirtschaftskrise auf die Grundstoffe übergreift. Und zum anderen ist der Wasserstand schwer zu kalkulieren.“ Derzeit sei die Donau zwar befahrbar, das könne sich aber wieder ändern. Erst dann, wenn Untiefen beseitigt und die Donau durchgehend eine Tiefe von 2,50 Metern aufweise, sei sie ein kalkulierbarer und langfristig nachhaltiger Verkehrsträger.

Zahlen & Daten

Im Jahr 2019 wurden nach Angaben der Statistik Austria auf dem österreichischen Teil der Donau 8,5 Mio. Tonnen an Gütern befördert. Verglichen mit dem Jahr 2018, als Niederwasser für ein Rekordminus von 25,1 Prozent auf 7,2 Mio. Tonnen sorgte, nahm das Transportaufkommen somit um 18,2 Prozent bzw. 1,3 Millionen Tonnen zu. Im langjährigen Vergleich wurde allerdings die zweitniedrigste Tonnage seit 1995 befördert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2020)