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Karibik

Barbados will Queen als Staatsoberhaupt absetzen

Queen Elizabeth II. auf einem Archivbild
Queen Elizabeth II. auf einem ArchivbildREUTERS
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Der kleine Inselstaat will nächstes Jahr eine Republik werden und die Queen als formales Staatsoberhaupt absetzen. Im Commonwealth-Staatenbund wird man weiterhin bleiben.

Die frühere britische Kolonie Barbados möchte nicht länger Queen Elizabeth II. als offizielles Staatsoberhaupt haben. Die Gouverneurin des Karibikstaats, der 1966 Unabhängigkeit erlangt hatte, kündigte am Mittwoch an, dass es Zeit sei, den nächsten Schritt zur völligen Loslösung vom Vereinigten Königreich Großbritannien zu vollziehen.

„Die Zeit ist reif dafür, dass wir unsere koloniale Vergangenheit völlig hinter uns lassen“, erklärte Generalgouverneurin Sandra Mason. „Die Bewohner wollen einen barbadischen Staatschef haben.“ Daher werde Barbados den nächsten logischen Schritt in Richtung voller Souveränität setzen und eine Republik werden. Als Zeitpunkt dafür ist der 55. Jahrestag der Unabhängigkeit vorgesehen, im November nächsten Jahres.

Generalgouverneurin Sandra Mason mit der Queen bei einem Besuch im Buckingham Palace 2018.
Generalgouverneurin Sandra Mason mit der Queen bei einem Besuch im Buckingham Palace 2018.

Der Inselstaat im Atlantischen Ozean mit seinen rund 290.000 Einwohnern ist zwar staatsrechtlich unabhängig, aber als „Commonwealth Realm" souveräner Mitgliedsstaat des Commonwealth of Nations und mit der britischen Krone in Personalunion verbunden. Die Queen ist formal das Staatsoberhaupt, tatsächlich aber nimmt alle protokollarischen Aufgaben der Generalgouverneur wahr.

Die Entfernung der Queen als Staatsoberhaupt bedeutet nicht auch zugleich den Austritt aus dem Commonwealth: Von den aktuell 54 Mitgliedern dieses riesigen Staatenbundes, der durchaus als Fernwirkung des britischen Empires besteht, sind nur noch 16 „Realms"; Realm kann man etwa mit „Königreich" übersetzen, Beispiele solcher Commonwealth-Staaten sind etwa Australien, Kanada, Belize und die Salomonen. Beispiele für die Mehrheit der Nicht-Realm-Commonwealthstaaten sind etwa Botswana, Kenia, Südafrika, Malta, Tonga, Singapur, und nicht zuletzt Indien und Pakistan.

Jahrhundertealte Zuckerwirtschaft

Barbados (Hauptstadt Bridgetown) wurde von den Europäern vermutlich erst 1536 entdeckt, diesfalls von Portugiesen. Weder diese noch die Spanier interessierten sich besonders für die Insel; man raubte dort allerdings Ureinwohner als Sklaven für die Plantagenwirtschaft in anderen karibischen Regionen, und als 1625 eine englische Expedition auftauchte und die Insel übernahm, war diese nur noch schütter bewohnt.

Wirtschaftlich dominierte über Jahrhunderte der Anbau von Zuckerrohr samt Herstellung von Sirup und Rum. Mittlerweile ist der Tourismus bedeutender, es gibt eine kleine Industrie, Ölförderung, und einen recht entwickelten Finanzsektor. Die Bevölkerung ist großteils relativ wohlhabend, allerdings beträgt die Armutsrate mittlerweile dennoch etwa 18 bis 20 Prozent.

Drittältestes Parlament im Commonwealth

Barbados hat das drittälteste Parlament im Commonwealth, nach jenem von England bzw. Großbritannien in London sowie dem von Bermuda, es wurde 1639 gegründet. Regiert wird der Inselstaat aktuell von einer Frau, nämlich seit 2018 von der Sozialdemokratin Mia Amor Mottley. Sie ist die erste Premierministerin ihres Landes.

Barbados' Regierungschefin Mia Mottley bei einer Rede bei der UNO in Genf.UNCTAD

(ag./wg)