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Naturhistorisches

Das unsichtbare Museum unter der Erde

Nur zwei Prozent der Sammlung des Naturhistorischen Museums sind für Besucher zu sehen. Der Großteil lagert im Tiefspeicher des Hauses, in dem präparierte Krokodile ebenso ideale Bedingungen vorfinden wie Mineralien oder Vögel.

Das besondere Flair des Ringstraßengebäudes, die historische Eleganz, den prunkvollen Marmor, die Weite des Kuppelsaales – all das lässt, wer das kahle, schmale Stiegenhaus hinabsteigt, tiefer und tiefer, hinter sich.

Und doch ist dieser bunkerartige, pragmatische und gar unelegante Bau, der 23,25 Meter unter die Erde reicht, Teil des Naturhistorischen Museums (NHM) – und zwar ein äußerst wichtiger. Denn hier im viergeschoßigen Tiefspeicher wird ein Großteil der Sammlung des Museums aufbewahrt: Das, was die Besucher viele Meter weiter oben in den Schauräumen sehen können, die Mineralien, Dinosaurierknochen, die präparierten Vögel, Säugetiere und Haie, macht nur einen sehr kleinen Teil der umfassenden Sammlung des Hauses aus – konkret sogar nur etwa zwei Prozent.

Objekte im Trockentiefspeicher und im sogenannten Alkoholspeicher.
Objekte im Trockentiefspeicher und im sogenannten Alkoholspeicher.Caio Kauffmann



Den überwiegenden Teil der 30 Millionen Objekte fassenden Sammlung bekommen die Besucher also gar nicht zu Gesicht, weite Teile davon lagern im Tiefspeicher unter der Erde. Dass 1990, im Zuge des Baus der U-Bahnlinie U3, die Chance genutzt wurde, unter dem NHM (genau genommen eigentlich neben dem Museum, im kleinen Park auf der Rückseite des Hauses) einen Tiefspeicher zu errichten, sei „ein Schatz, von dem wir heute noch profitieren“, wie Direktorin Katrin Vohland sagt. Denn in den vier Tiefgeschoßen finden die Objekte der Sammlung genau jene Bedingungen vor, unter denen sie keinen Schaden nehmen und noch viele weitere Jahrzehnte Bestand haben können.

Dutzende Vögel, manche mit bräunlichem, andere mit grünlicherem Federkleid, dicht an dicht geschlichtet in helle Holzkisten, sind das Erste, was man sieht, wenn man das dritte Untergeschoß betritt: „Stärlinge, Kiste 5, 29 Stk. Vögel“ steht auf der Kiste, darunter steht eine weitere mit präparierten Finken. Die Vogelsammlung wird hier im „Trockentiefspeicher“, bei konstanten zehn Grad Celsius ebenso aufbewahrt wie Teile der Fisch- und der Herpetologischen Sammlung (Amphibien und Reptilien also).