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Absage

Heimische Designer über das Aus der Ballsaison

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Mit der Opernball-Absage ist auch das Aus der Ballsaison besiegelt worden. So gehen österreichische Designer damit um.

Elegantes kreisen im Dreivierteltakt wird es in der kommenden Ballsaison wenn, dann nur sehr selten geben. Denn durch die Coronavirus-Pandemie endete die Saison, bevor sie starten konnte. Mit der Opernball-Absage scheint das Aus nun endgültig besiegelt worden zu sein.

Heimische Designer, die für ihre großen Ballroben bekannt sind, müssen herbe Einbußen verkraften. Wirklich überraschend kommt die Entscheidung für Eva Poleschinski allerdings nicht: "Ich bin der Meinung, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Alternative für diese Entscheidung gegeben hätte." Auch Michaela Mayer-Lee vom Label Michel Mayer hat mit einer Absage bereits gerechnet. "Ich finde es natürlich bedauerlich, dass keine Ballsaison stattfinden wird, allerdings kommt diese Entscheidung wenig überraschend. Da wir in etwa zur Zeit des Lockdowns mit unserer neuen Couture Kollektion begonnen haben und ich aufgrund der vorherrschenden Stimmung ohnehin kein Bedürfnis nach einer 'großen' Abendkollektion hatte, entstand eine verkleinerte und sehr reduzierte, eher schlichte Abendkollektion. Der finanzielle Einsatz war demnach geringer als er sonst gewesen wäre."

Auch Poleschinski sieht es pragmatisch: "Viele neue Modelle und Entwürfe müssen etwas länger auf ihren großen Auftritt warten." Aber: "Die letzten Monate haben immer wieder aufs Neue gezeigt, welch loyales und tolles Partner- und Stammkundennetzwerk mich umgibt." Das sollte es auch möglich machen, die zukünftigen Herausforderungen zu meistern, ist sie sich sicher.

Mayer-Lee wiederum ist mit einer Ready-to-wear-Kollektion breit aufgestellt, die Einnahmen sind also nicht nur von der Abendkollektion abhängig. Denn neue Geschäftsfelder zu erschließen, vor allem so kurzfristig, sei laut Mayer fast unmöglich. Ihr helfe ein noch geheimes Projekt dabei, die vermeintlichen Verluste abzufedern. "Natürlich werden wir ein schwächeres Jahr verbuchen, allerdings konnte ich zeitgerecht Kosten einsparen und irgendwie hat es auch dabei geholfen, alles nochmal grundlegend zu hinterfragen, einen neuen Zugang zu finden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren."

„Ich geh zu meinem Schneider"

Juergen Christian Hoerl vom Label JCH, der schon Mirjam Weichselbraun für den Opernball ausstattete, sieht auch die Politik gefragt. "Für uns bedeutet es kreative Lösungen zu suchen und zu hoffen, dass die Stadt Wien und der Bund die kleinen Betriebe nicht vergisst und vielleicht auch Masken und Textilien bei österreichischen Betrieben bestellt und nicht im vermeintlich günstigeren Ausland, wie so oft."

Aber auch er kann der Krise etwas Positives abgewinnen: "Ich denke aber, dass unsere Zunft gestärkt aus der Krise gehen wird, denn die Menschen legen wieder mehr Wert darauf zu wissen, wo und wie ihr Kleidungsstück hergestellt wird. 'Made in Austria' gewinnt wieder an Bedeutung, ähnlich wie beim Tourismus und es ist auch cool wieder sagen zu können: 'Ich gehe zu meinem Schneider!'"