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Geschmacksfrage

Testessen im Ma Belle Bistro

Christine Pichler
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Drei Frankreich-Liebhaber haben ein kleines Bistro eröffnet und wagen sich an die französische Küche. Lobenswert, aber da geht noch was!

 

Nicht nur in Coronazeiten haben ­Restaurantkritiker ein moralisches Problem: Was, wenn sympathische Menschen mit einer lieben Idee ein nettes Lokal eröffnen, mit Begeisterung kochen und laufen? Bleibt man da hart, ehrlich und kühl? Oder lässt man sich vom Unternehmergeist anstecken, hofft auf Erfolg für das Projekt und mögliche gute Auswirkungen auf das Grätzel – und schreibt freundlich? Zumal man angesichts der durch die Pandemie katastrophalen Bedingungen in der Wiener Gastronomie niemandem noch weiter schaden will. In den vergangenen Kolumnen habe ich mich sehr bemüht und etwa auch On-Off-Koch Bernie Rieder, ewiges Talent der TV-Küchen, gelobt.

Diesmal war ich im eben eröffneten französischen Bistro Ma Belle, das in einer schwierigen Location dank freundlichem Personal und vorsichtig bunter Einrichtung durchaus Sympathien auslöst. (Warum schwierig? In der Vergangenheit eröffneten und schlossen an ­dieser Adresse Lokale im Jahresrhythmus, was mintunter ein kleiner Fluch sein kann.) Im konkreten Fall versuchte ein Paar, den schweren Stand der französischen Küche in Wien zu verbessern. Das kann man gar nicht genug loben. In Wien gibt es an jeder Ecke Pizza und kulinarische Kopenhagen-Copyshops, aber eine der wichtigsten Küchen der Welt fehlt fast in der Stadt, dabei passen dicke Sude, fette Aromen, großes Fleisch und schöne Meeresfrüchte gut zu Wien und seinen Bewohnern (— und ja, ich weiß, das Le Salzgries macht einen guten Job).

Christine Pichler

Jedenfalls wagen sich Denisa Vikartovska und ihre Mutter sowie Ehemann Niklas Friedl in die französische Küche. Das gelingt schon ganz gut, gerät aber noch ein wenig blutleer. Soll heißen: Die Bouillabaisse ist mir zu klar und dünn, geschmacklich dank Safran zwar okay und mit schönem Getier aus Süß- und Salzwasser eine elegante Sache, aber das Meer rauscht nicht. Wo sind die Karkasse, das Schalentier?

Das Coq au Vin macht wie die Schnecken – natürlich aus Wien vom Gugumuck – noch mehr her. So mollig und intensiv muss das Schmorhuhn sein. Kleiner Tipp: Als kleiner Bub liebte ich es, solche Gerichte auf einer Erdäpfelpüree-Insel angerichtet zu bekommen, heute würde ich das gern getrennt serviert haben, dafür gäbe es etwa diese angesagten kleinen Töpfchen. Wirklich gut ist das Frühstück, mit Benedict und allen Freunden. Sagen wir es so: Da geht noch was, aber es ist schon was.

Ma Belle Bistro, Gumpendorfer Str. 16, 1060 Wien, Tel.: +43/(0)1/966 79 92,

Restaurant: Mo–Sa: ­
9–1 Uhr, So: 9–17 Uhr.

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