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The Red Flame

Karen Elson über die Schattenseiten der Modewelt

(c) REUTERS (Benoit Tessier)
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Nach 25 Jahren in der Modelindustrie schreibt Karen Elson in ihrem Buch „The Red Flame“ auch über Dinge, die sonst nicht ans Tageslicht kommen.

Vor fünf Jahren wurde Model Karen Elson vom Verlag Rizzoli gefragt, ob sie nicht einen Bildband ihrer Modelkarriere veröffentlichen wolle. Elson sagte zu, doch nur mit schönen Bildern und Backstage-Einblicken war es für die 41-Jährige nicht getan. Sie wollte ungeschönt von ihren Erfahrungen berichten, die nicht immer positiv waren. Selbst für ein Model, das seit Jahrzehnten erfolgreich ist und zu den großen Namen im Business gehört.

"Ich wollte nicht, dass dieses Buch eine 'Daily Mail'Überschrift wird. Ich wollte nicht, dass mein Trauma sensationalisiert wird", berichtet sie im Gespräch mit dem Branchendienst "WWD". Trotzdem berichtet sie von Essstörungen als Kind, dem Abwimmeln sexueller Avancen als Model im Teenager-Alter und von Bodyshaming am Set.

Dass Models über ihrer Erfahrungen sprechen, kommt in den letzten Jahren immer häufiger vor. Kürzlich schrieb Emily Ratajkowski für das „New York Magazine“ einen Essay, in dem sie darüber schreibt, wie ein Fotograf sie zuerst sexuell belästigt und dann mit ihren Fotos einen Bildband veröffentlicht hat.

"Es ist eine interessante Zeit für mich als Model, weil ich das Gefühl habe, dass das Aufkommen von Social Media vielen Menschen eine Stimme gegeben hat. Heutzutage, wenn es zu wirklich schlechtem Benehmen kommt, kann es also Whistleblower geben. Und es gibt Leute, die offen er über diese Dinge spreche, was ich nicht für schlecht halte", so das Model.

Auch Elson war sich sicher, dass jetzt die Zeit reif sei: "Ich hatte das Gefühl, dass es eine Gelegenheit war, der Branche den Spiegel vorzuhalten und zu sagen 'Hey, das sind die Dinge, die ich sehe. Das sind die Dinge, die ich erlebt habe. Was werden wir dagegen tun? Was werden wir tun, um Models mehr Entscheidungsfreiheit über sich selbst zu geben?'."

Privileg, die eigene Meinung zu sagen

Sehr viele Menschen seien auf sie zugekommen und haben ihr dazu gratuliert, die Wahrheit über die Dinge zu sagen, die vorgehen. "Sie selbst trauen sich nicht, es anzusprechen, weil sie die Konsequenzen fürchten", weiß die 41-Jährige.

Elson, die seit 25 Jahren erfolgreich als Model arbeitet, sieht sich auch jetzt in der Position, ein Buch wie „The Red Flame“ zu veröffentlichen, da sie keine Angst vor Repressalien hat. Auch sie hofft, dass sie trotz der Veröffentlichung weiter im Modelbusiness, aber auch als Musikerin, arbeiten kann. Und auch, wenn sie viel Schlechtes erlebt hat, möchte sie nicht voller Zorn auf diese Zeit zurückblicken. "Ehrlich gesagt ist es ein Privileg, mit so vielen kreativen und innovativen Menschen gearbeitet zu haben. Aber wenn mir das Privileg genommen wird, meine eigene Meinung zu sagen über Dinge, die besser in der Industrie sein könnten, dann ist das nicht fair, oder?"

Und weiter: "Ich habe viel gesehen. Ich habe viel erlebt. Und ich habe einige wirklich dunkle Dinge erlebt. Ich möchte einen Weg finden, um das umzulenken und zu entwickeln. Und wenn das bedeutet, dass ich mit 41 Jahren aufstehen muss und anfangen muss, die Wahrheit zu sagen - in einer für mich bedeutungsvollen Weise und nicht, indem ich Kugeln auf sie werfe - dann mache ich das, weil ich das machen muss."

The Red Flame von Karen Elson. Erschienen im Rizzoli-Verlag.
The Red Flame von Karen Elson. Erschienen im Rizzoli-Verlag.

(chrile)