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Corona-Krise

Frankfurter Buchmesse komplett ohne Publikum

Visitors pass by a large illuminated placard at Frankfurt book fair
Symbolbild(c) REUTERS (Kai Pfaffenbach)
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An die 300.000 Besucher zählt die Frankfurter Buchmesse jedes Jahr. Heuer dürfen nur eine Handvoll Moderatoren und Autoren kommen.

Die Frankfurter Buchmesse findet nun doch komplett ohne Publikum statt. "Angesichts steigender Infektionszahlen in Frankfurt am Main und bundesweit" haben die Verantwortlichen beschlossen, das Programm in der Frankfurter Festhalle "nur mit den beteiligten Moderatoren und Autoren durchzuführen", teilte die Buchmesse am Montag mit. Die Messe zählt üblicherweise an die 300.000 Besucher. 

Die Entscheidung betrifft auch die Eröffnungsfeier am Dienstagabend, zu der sich 250 geladene Gäste angemeldet hatten. Sie wird nun nur im Internet übertragen. Auch die Veranstaltungen auf der ARD-Buchmessenbühne bis zum kommenden Sonntag (18. Oktober) können im Livestream verfolgt werden.

Hoffen auf Livestream

Bei der Buchmesse heuer gibt es keine Messestände, es sollte aber Präsenzveranstaltungen geben. Aber auch diese werden nun ohne Publikum stattfinden.

"Das Gesundheits- und Hygienekonzept für die Nutzung der Frankfurter Festhalle wurde vor wenigen Tagen von den örtlichen Behörden erneut geprüft und genehmigt. Dennoch haben wir aus Rücksicht auf die Gesundheit der Gäste entschieden, die Risiken zu minimieren und die Festhalle nicht für das Publikum zu öffnen", sagte Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse. "Wir hoffen aber, mit dem Livestream viele Zuschauer zu erreichen."

"Als würde ein Arm abgehackt werden"

Als der Aufsichtsrat der Buchmesse im Mai beschloss, dass die Messe stattfinden wird, waren viele verwundert – und nicht bereit, sich darauf einzulassen. Bis zum Ende der Anmeldefrist Mitte August hatten sich laut dem Fachblatt "buchreport" nur rund 750 Teilnehmer registriert - etwa zehn Prozent der Aussteller des Vorjahres. Ehrengast Kanada verschob den physischen Gastlandauftritt ins nächste Jahr.

Als im Herbst noch Reisebeschränkungen dazu kamen, zog die Buchmesse die Reißleine und sagte die Hallenausstellung ab. "Es ist, als würde ein Arm abgehackt werden", sagt Joachim Unseld. Der Frankfurter Verleger hat an mehr als 40 Buchmessen teilgenommen.

Zeichen der Hoffnunf setzen

Die "Special Edition" 2020 ist nun vor allem eine digitale Messe für Fachbesucher. Wie das angenommen wird und wer davon profitiert, bleibt abzuwarten. "Es ist ein Jahr des Ausprobierens", sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Weil das meiste kostenlos ist, rechnet er mit einem Millionenverlust. Bis Anfang Oktober hatten sich 3776 "digitale Aussteller" aus 94 Ländern bei der Buchmesse angemeldet.

Es geht wohl vor allem darum, ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. "Signals of Hope" heißt denn auch die Kampagne, mit der die Buchmesse die "Special Edition" in den sozialen Medien bewirbt. Das Buch kann PR gebrauchen: Laut Media Control lag der Buchumsatz bis August dieses Jahres um 5,8 Prozent unter dem Umsatz des Vorjahreszeitraums.

Buchgeschäfte holen auf

Dennoch sieht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels einen Hoffnungsstreif am Horizont - denn direkt nach dem Lockdown waren die Zahlen noch schlechter: Von Jänner bis Mitte April lag der Umsatz 14,9 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. Besonders betroffen war der Buchhandel vor Ort: Bis August lag der Umsatz um 10,8 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums, bis zum Ende des Lockdowns waren es sogar minus 21,1 Prozent.

"Seit Wiedereröffnung der Läden ist die Nachfrage nach Büchern jedoch groß, die Umsätze liegen seit Juni jeweils über denen der Vorjahresmonate", sagt die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs. "Somit kann der Buchhandel den Umsatzrückstand Monat für Monat verkleinern. Das Buch erweist sich als krisenfest."

"Deutlich besser verlaufen, als zu befürchten war"

"Viel wird davon abhängen, wie sich das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr entwickelt", sagt die Verlegerische Geschäftsführerin der S. Fischer Verlage, Siv Bublitz. Die Fischer Verlage seien bisher "glimpflich durch die Krise gekommen". Das Frankfurter Verlagshaus hat einen Teil seiner Neuerscheinungen ins nächste Jahr verschoben und bietet neue digitale Formate.

"Das Jahr 2020 ist insgesamt deutlich besser verlaufen, als zu Beginn der Pandemie zu befürchten war", sagt Alexander Lorbeer, CEO der Holtzbrinck Buchverlage. Zwar gebe es "erkennbare Umsatzrückgänge", die Mitarbeiter hätten aber auch "unzählige neue Ideen entwickelt".

Im Vergleich zu anderen Branchen seien die Verlage "mit einem blauen Auge" durch das Krisenjahr gekommen, glaubt auch Joachim Unseld. "Wir können sagen: Es wird weiter gelesen."

(APA/dpa)