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Theater an der Wien

Porgy als Kriegsopfer und Prophet

Schiffscontainer dienen den Gestrandeten auf drei Ebenen als Behausung. Hier wird geliebt und gestorben, gedealt und getanzt – in Louisa Ann Talbots Choreografien, die nie nach Show riechen.
Schiffscontainer dienen den Gestrandeten auf drei Ebenen als Behausung. Hier wird geliebt und gestorben, gedealt und getanzt – in Louisa Ann Talbots Choreografien, die nie nach Show riechen.Monika Rittershaus
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Jubel für Gershwins „Porgy and Bess“: Regisseur Matthew Wild versetzt die Story behutsam und mit Gewinn in die Gegenwart; unter Wayne Marshall singt und spielt ein homogenes Ensemble.

Musical, „Folk opera“, Musikdrama: Was ist George Gershwins „Porgy and Bess“ eigentlich? All das und mehr, lautet die Antwort am Ende dieses gelungenen Premierenabends.

Dabei werden gleichsam mit jeder Produktion die Karten neu gemischt: Hatte die Volksoper im Februar 2019 leicht, aber doch die Musical-Aspekte des Werks betont, ist nun im Theater an der Wien unter Leitung von Wayne Marshall bei allen zündenden Einzelnummern doch eher die große, durchkomponierte Oper zu erleben, die Gershwin in emphatischem Sinne schaffen wollte – die meisterhafte Nutzung eines Schmelztiegels der Stile und Einflüsse. Allein wie sich das Liebesduett „Bess, you is my woman now“ in kunstvoller Zärtlichkeit durch den Quintenzirkel schlängelt, hat höchste Achtung verdient: Wen wundert's, dass kein Geringerer als Arnold Schönberg zu den Bewunderern Gershwins zählte? Das mit Jazz-erfahrenen Fachleuten wesentlich aufgestockte Wiener Kammerorchester folgte Marshall jedenfalls in einem ausbalancierten Zusammenwirken aus rhythmischer Energie und charakteristisch gemischten Klangfarben.