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Wort der Woche

Ökologischer Pfotenabdruck

Auch das Halten von Hunden und Katzen stellt eine Belastung für die Umwelt dar. Wie groß diese ist, zeigt ein nun von Forschern berechneter „ökologischer Pfotenabdruck“.

Die Coronapandemie verändert unser Denken, Fühlen und Handeln. Laut einer in der Vorwoche veröffentlichten IMAS-Umfrage sind drei von vier Österreicherinnen und Österreichern der Meinung, dass unser Alltag – wie wir leben, arbeiten, einkaufen usw. – nach der Coronakrise deutlich anders sein wird als bisher. Wir verändern demnach unsere Begrüßungsformen, ziehen uns vermehrt in die eigenen vier Wände zurück, schätzen den Zusammenhalt in der Familie und in der Nachbarschaft stärker – und viel mehr Menschen als früher überlegen die Anschaffung von Haustieren.

So scheint es wahrscheinlich, dass die weltweiten Populationen von Hunden (aktuell rund 900 Millionen) und Katzen (zwischen 200 und 600 Millionen) Zuwachs bekommen. Das hat natürlich Folgen – sowohl ökonomischer als auch ökologischer Art. So wird etwa der weltweite Markt für Heimtierfutter, der derzeit auf rund 75 Milliarden Euro geschätzt wird, weiter wachsen. In den USA konsumieren Hunde und Katzen ungefähr ein Fünftel der Kalorienmenge, die wir Menschen zu uns nehmen; und sie produzieren ein Drittel der menschlichen Menge an Exkrementen (Gregory Okin, PlosOne, 2. 8. 2017). Abgeschätzt wurde jüngst überdies, dass der „ökologische Pfotenabdruck“ von Hunden in der Größenordnung von 1,3 Hektar pro Jahr liegt, jener von Katzen bei 0,45 Hektar (Bingtao Su et al., Ecolog. Indicators 93, 1043). Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Österreicher hat einen ökologischen Fußabdruck von 5,3 Hektar.

Genauer angesehen haben sich das nun britische und deutsche Forscher um Peter Alexander (University of Edinburgh) – und zwar anhand von Trockenfutter für Hunde und Katzen. Das Problem bei allen Berechnungen ist, dass die Zusammensetzung verschiedener Produkte stark variiert: Hochwertiges Futter enthält viel Fleisch, billigere Produkte hingegen vermehrt tierische Nebenprodukte. Letztere fallen beim Zerlegen von Schlachttieren quasi als „Abfall“ an, diese Fraktionen müssen daher beim Berechnen des ökologischen Pfotenabdrucks geringer gewichtet werden als Fleisch (Global Environmental Change 65, 102153).

Die detaillierte Analyse von 281 Trockenfuttersorten ergab nun, dass die globale Tierfutterproduktion rund 50 Millionen Hektar Land (sechs Mal Österreich) und acht Kubikkilometer Wasser pro Jahr erfordert. Die Treibhausgas-Emissionen liegen bei rund 100 Millionen Tonnen – deutlich mehr als der CO2-Ausstoß von ganz Österreich. ⫻


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com

diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2020)