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Kunsttransporte

Wenn Kunst auf Reisen geht

Spezielle Transportboxen stellen sicher, dass die Kunstwerke nicht beschädigt werden.
Spezielle Transportboxen stellen sicher, dass die Kunstwerke nicht beschädigt werden.(c) Museumspartner
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Die Organisation erfordert generalstabsmäßige Planung, vom Auftrag bis zu Lieferung. In Zeiten von Corona ist alles noch einmal deutlich komplizierter geworden, berichten Aussteller und Speditionen.

Gehen Klimts, Dürers, Rubens, Schieles, Wurms und andere wertvolle Kunstwerke auf Reisen, erfordert das bereits in Normalzeiten eine generalstabsmäßige Planung. Schließlich muss rechtzeitig um Leihgaben angesucht werden, und nach deren Zusage geht es darum, Lkw und Fahrer zu disponieren oder Plätze in Flugzeugen zu buchen. Letzteres nicht nur für die Werke selbst, sondern auch für die sie begleitenden Kuriere, die den sachgemäßen Transport und Aufbau am jeweiligen Bestimmungsort überwachen. Jetzt, in Zeiten von Corona, ist alles noch einmal um einiges komplizierter geworden. „Die Organisation ist deutlich umständlicher und zeitaufwendiger“, sagt Birgit Vikas, Eigentümerin und Geschäftsführerin der auf Kunsttransporte spezialisierten Spedition Kunsttrans.

 

Probleme bei Luftfracht

Davon kann auch Veronika Chambas-Wolf, Exhibition Manager im Kunstforum Bank Austria Wien, ein Lied singen. „Wir müssen noch länger planen und vorausschauender agieren“, sagt sie. Normalerweise würden Transportaufträge zwei Monate im Voraus vergeben, bei der derzeit laufenden Gerhard-Richter-Ausstellung seien es auch fünf Monate geworden. „Dabei handelt es sich um das Bild eines privaten Sammlers aus den USA“, erzählt Chambas-Wolf. Zugesagte Leihgaben aus dem Museum of Modern Art in New York konnten hingegen überhaupt nicht nach Wien gebracht werden. Gerade bei Kunstwerken aus Übersee sei der Flugverkehr das Problem, erzählt Siegfried Schöffauer, Geschäftsführer der ebenfalls auf Kunsttransporte spezialisierten HS Art Service Austria. Die Zyklen der Flugzeuge seien unregelmäßig, die Flugpläne ausgedünnt, oft würden Flüge gecancelt. „Gleichzeitig sind die Preise für die Luftfracht enorm gestiegen“, sagt Schöffauer. Auf der Straße gibt es ebenfalls Hemmnisse. „In jedem Land gibt es wegen der Pandemie eigene Bestimmungen für die Fahrer der Lkw“, berichtet er. Eine Lösung haben Museen und Aussteller hingegen für das Thema Kuriere gefunden, die normalerweise das Ein- und Auspacken, den Transport und das Auf- und Abhängen beziehungsweise Aufstellen besonders wertvoller Objekte begleiten. „Normalerweise fahren diese in der Fahrerkabine mit. Doch das ist wegen der Abstandsregeln jetzt vielfach nicht möglich“, sagt Vikas. Während so mancher den Transport in einem Pkw begleitet, setzen andere auf digitale Unterstützung. „Bei Gerhard Richter haben wir so gut wie keine Kuriere gehabt, stattdessen haben unsere Leihgeber und wir auf Zoom gesetzt. Es sind ja ohnehin auch immer unsere Restauratoren beim Ein- und Auspacken dabei“, erzählt Chambas-Wolf. Sie könne sich sogar vorstellen, dass diese Vorgehensweise aus Kostengründen auch künftig beibehalten werde. „Ein Kurier aus Texas kostet immerhin 30.000 Euro hin und retour, da er meist Business Class fliegt“, so die Exhibition Managerin, die derzeit die für Frühjahr geplante Daniel-Spoerri-Retrospektive vorbereitet. „Wir haben bereits während des ersten Lockdowns Leihansuchen gestellt“, erzählt Chambas-Wolf. Doch erst jetzt würden die Zusagen einlangen. „Die Restauratoren konnten damals oft nicht in die Depots, um die Leihfähigkeit der Stücke zu beurteilen“, erläutert die Expertin die Verzögerungen.

 

Verzögerungen bei Rücktransporten

Der neuerliche Lockdown in vielen Ländern wird in diesem Zusammenhang die Planung so manch anderer Ausstellung weiter erschweren. Coronabedingt wurde bereits die anlässlich des 150. Geburtstags von Josef Hoffmann ursprünglich ab Dezember 2020 geplante Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“ um ein Jahr verschoben. Die durch die Pandemie bewirkten derzeitigen Umstände würden die Präsentation selten gezeigter Objekte aus internationalen Sammlungen, mit denen neue Aspekte im Werk Josef Hoffmanns beleuchtet werden können, erheblich erschweren, heißt es dazu aus dem MAK. Aber nicht nur das Herschaffen von Leihgaben, auch deren Rücktransport wurde den ganzen Frühling hindurch erschwert, wenn nicht sogar unterbunden. „Manche Ausstellungen wurden daher verlängert, manche Kunstwerke in Depots zwischengelagert“, erzählen Vikas und Schöffauer. Ersteres hat etwa das Kunstforum mit der Schau „The Cindy Sherman Effect“ getan. „Die Leihgaben waren zum Glück nicht vorreserviert“, sagt Chambas-Wolf. Auch das Leopold-Museum hat seine aktuelle Sonderausstellung „Hundertwasser – Schiele. Imagine Tomorrow“ bis zum 10. Jänner 2021 verlängert.

 

Boom bei Geschäft mit Privaten

Die Tatsache, dass das internationale Museumsgeschäft in diesem Jahr massiv ausgefallen ist – Vikas geht von 50 Prozent weniger Marktvolumen aus –, schlägt sich in den Büchern der Kunsttransporteure nieder. „Wir rechnen mit einem Umsatzrückgang von 50 Prozent“, sagt etwa Schöffauer. Positiv habe sich hingegen das Geschäft mit privaten Kunstsammlern entwickelt, so die beiden Kunsttransporteure. Und zwar sowohl im Bereich Transport als auch bei den Depots. „Wegen des Brexit wollen viele ihre Werke so schnell wie möglich aus den britischen Depots herauskriegen“, sagt Vikas. Viele davon würden sich für Depots in Österreich interessieren, die, so Schöffauer, wegen ihrer hohen Sicherheitsstandards begehrt seien. Dabei geht es nicht nur darum, die Werke vor Diebstahl zu schützen. Denn die Stücke, oft von unschätzbarem Wert, müssen entsprechend behandelt werden. Sie mögen weder Erschütterungen noch zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit, auch wechselnde Temperaturen sind ihnen ein Graus. Das gilt nicht nur für die Aufbewahrung, sondern auch für den Transport. Und so reisen Klimt, Schiele und Co. in klimatisierten Spezialkisten, die auch Flugzeugabstürze überleben, komplett feuerfest und wasserdicht sind.

Auf einen Blick

Kunsttransporte sind nicht nur in puncto Sicherheit ein sensibles Geschäft, sondern auch hinsichtlich möglicher Beschädigungen. Daher werden die Kunstwerke von einem oder mehreren Kurieren begleitet und in speziellen Verpackungen oder Behältern gelagert. Die Coronapandemie hat vor allem Lufttransporte verzögert, sodass ganze Ausstellungen verschoben oder abgesagt werden mussten. Manche Leihgaben mussten mangels Transportmöglichkeiten in Depots zwischengelagert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2020)