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Sneaker-Kultur

Schuhe auf Achse

Fundstück. Eine Sneaker-Rekonstruktion aus Fast-Food- Versatzstücken.Greg Staley
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Mit einer aus Verpackungsresten geschaffenen Turnschuh-Installation kritisiert Künstler Andi Yoder den Massenkonsum.

Hätte Netflix-Serientitelpotenzial, war aber eine kleinere ökologische Katastrophe: „The Great Sneaker Spill“ bezeichnet eine Episode im internationalen Warenverkehr, bei der im Frühling 1990 fünf riesige Container in den Pazifik gespült wurden. Vieles versank, 61.820 Paar Turnschuhe von Nike wurden aber von der Meeresströmung erfasst und ab Anfang 1991 nach und nach entlang der nordamerikanischen Westküste angespült. Linke und rechte Schuhe waren voneinander getrennt worden und kamen jeweils gehäuft gemeinsam an: Daraus und aus anderen Faktoren entnahm Ozeanograf Curtis Ebbesmeyer wertvolle Informationen für seine Forschung zu wenig bekannten Strömungen im Stillen Ozean.

Nachbildung. Yoder thematisiert Massenkonsum und Vermüllung.Greg Staley


US-Künstler Andy Yoder stieß auf diesen Zwischenfall bei Recherchen für ein neues Projekt und mochte die verschiedenen Bedeutungsebenen: Yoder beschäftigt sich in seiner Praxis mit den Auswirkungen von Wegwerfgesellschaft und Massenkonsum und beschloss, sich des „Sneaker Spill“ anzunehmen. Wenngleich nicht genau bekannt ist, ob es sich bei besagten Schuhen von Nike um ein bestimmtes Modell handelt, beschloss Yoder, für seine Installation „Overboard“ im Brattleboro Museum in Vermont etwa 250-mal den berühmten „Air Jordan 5“ aus alternativen Materialien nachzubauen.


Corona-Sneakers. Die (auch online besichtigbare) Installation offenbart zunächst ein vertrautes Schuhregalbild: Zahlreiche Ferse an Fußspitze gereihte Sneakers, viele Farben, fantasievolle Varianten. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber dann Yoders Arbeitsweise, denn die Schuhe bestehen aus Versatzstücken von Verpackungsmaterial und Ähnlichem – etwa von Mc Donald’s, aus einem David-Hockney-Druck oder Schachteln von Corona-Bier.

Aktualitätsbezug. Auch Corona-Bierschachteln verarbeitete Yoder.Greg Staley

Er wolle, sagt Yoder in einem offiziellen Statement, neues Bewusstsein für die konkreten Auswirkungen des Massenkonsum-Fehlverhaltens schaffen. Die Übung scheint gelungen, nicht nur die Kunstwelt wird sich für seine aktuelle Arbeit begeistern können.

 

„Overboard“. Die Installation von Andy Yoder im Brattleboro Museum & Art Center ist bis 6. März 2021 zu sehen und auch online besuchbar, siehe www.brattleboromuseum.org