Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Tourismus

EU-weiter Streit um Ski-Lockdown im Dezember

APA
  • Drucken
  • Kommentieren

Deutschland will in der EU Druck machen, damit die Skigebiete erst im Jänner aufsperren. Österreich lehnt das offiziell ab. Doch auch hierzulande ist die Stimmung gespalten.

Frankreich, Italien und Deutschland wollen, dass in Europa bis Mitte Jänner kein Skitourismus stattfindet. Das stößt auf Kritik. In Österreich lehnt Kanzler Sebaistian Kurz (ÖVP) eine länderübergreifende Verschiebung der Saisoneröffnung in Skigebieten ab. Landeschefs in heimischen Wintersport-Bundesländern, so in Salzburg, wollen schon vor Weihnachten einen sicheren Skibetrieb garantieren. Der "Ski-Lockdown" treibt indes auch seltsame Blüten.

Auch in Österreich war zuletzt etwa innerhalb der Hotellerie die
Stimmung gespalten, was die Wiedereröffnung nach dem aktuellen
harten Lockdown anlangt. Die beiden westlichen Bundesländer Tirol
und Vorarlberg hatten sich erst letzte Woche dafür ausgesprochen,
erst Mitte Jänner wieder zu öffnen, um das restliche Wintergeschäft
dann komplett mitzunehmen. In anderen Bundesländern will man
hingegen jedenfalls am Wochenende vor Weihnachten wieder ins
Geschäft kommen.

Informationen von Polit-Insidern zufolge soll die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Konferenz mit den deutschen
Ministerpräsidenten wörtlich gesagt haben, es treibe ihr "die Sorgen
auf die Stirn", wenn sie höre, dass Österreich die Skilifte wieder
laufen lassen wolle. Das schrieben Schweizer Medien. Deutschland
appellierte an die Bürger, touristische Reisen zu unterlassen -
insbesondere in Hinblick auf die Skisaison. Und Deutschland will nun
auf EU-Ebene prüfen, ob eine gemeinsame Reglung für die Skiferien
möglich ist - so wie die Italiener.

"Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten", sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag. Und sie merkte an: "Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen."

Widerspruch auch in Deutschland

Einen Aufschrei aus den eigenen Skiregionen gab es nach den
Ski-Lockdown-Rufen jedoch auch innerhalb Deutschlands und Italiens:
Mit seiner Forderung, wegen Corona europaweit Skigebiete zu
schließen, stieß Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf
viel Widerspruch - vom Koalitionspartner in Bayern,
Tourismusvertretern und vom Nachbarland Österreich. Nach dem ersten
Vorstoß von Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, Skigebiete
mindestens bis zum 10. Jänner geschlossen zu halten, hatte Söder
erklärt: "Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches
Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen
überall, beziehungsweise kein Urlaub überall."

Auch in Italien folgte Empörung aus norditalienischen Skiregionen
auf dem Fuß. Man sorgt sich um den ganzen Wirtschaftszweig. Für die
FPÖ in Österreich ist die italienische Forderung eines europaweiten
Skiurlaubsverbot überhaupt undankbar, dreist und überflüssig, wie
sie heute in einer Aussendung wissen ließ. Nachdem die italienische
Regierung mit ihrem Vorstoß für ein Skiverbot im eigenen Land
während der Weihnachtszeit bei ihren Präsidenten der
norditalienischen Regionen auf massiven Widerstand gestoßen sei,
wolle nun Italien alle europäischen Skigebiete in eine Art
Geiselhaft nehmen.

Hoffnung in der Schweiz

In der Schweiz hoffen die Touristiker gegenwärtig, die Saison
pünktlich starten zu können und sogar von der hitzigen
Verschiebungsdebatte in den Nachbarländern profitieren zu können.

Eine europaweit koordinierte Saisoneröffnung der
Wintersportgebiete sei im Kreise der Alpenländer informell bereits
im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiterverfolgt
worden, zitierten Schweizer Zeitungen am Donnerstag den Schweiz
Tourismus. "Wir gehen daher davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt
nicht mehr Erfolg haben wird", sagt Markus Berger, Sprecher der
Tourismuswerbeorganisation. Bundesrat, Behörden und die
Tourismusregionen seien "überzeugt, dass der Schweizer Weg für den
Moment richtig ist".

Loipe in Tirol behördlich geschlossen

Ein Behördenentscheid in Seefeld in Tirol hat es unterdessen zu
einiger Prominenz auch in deutschen Medien gebracht. Dort wurde der
Betrieb einer Loipe verboten. Der Tourismusverband Seefeld hatte am
Freitag seine erste Langlauf-Loipe in Leutasch eröffnet, nach drei
Tagen gab es ein abruptes Ende. Der Loipenbetrieb war unzulässig,
wurde von der Bezirkshauptmannschaft beschieden. Die Anlage sei eine
Sportstätte. Eine solche darf nach aktuellen Corona-Auflagen in
Österreich nicht betreten werden - zumindest von Hobbysportlern. Das
ginge nur für Spitzensportler für ihr Training. Der Tourismusverband
am Seefelder Plateau wollte nicht mehr bewerten, wer zu dieser
Sparte zählt und wer nicht, ging auf Nummer sicher und machte die
Strecke - trotz Schutzkonzepten und Vorbuchungen gegen
Rudelbildungen - für alle dicht. Ob Langläufer weiter auf die Loipe
dürfen, so wie man auch joggen und wandern dürfe, lässt der Verband
gerade rechtlich klären.

(APA)