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Japan

Wer zahlt die teure Olympia-Verschiebung?

Sport Bilder des Tages IOCThomas Bach, November 17, 2020 : IOC President Thomas Bach visits the National Stadium (Olympi
Inspektion durch das Internationale Olympische Komitee: IOC-Chef Thomas Bach besucht einen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele, das Nationalstadion in Tokio.imago images/AFLOSPORT
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Die Kosten für die um ein Jahr spätere Austragung der Olympischen Sommerspiele sind enorm. Unklar ist, wer diese übernimmt.

Die Olympischen Sommerspiele sollen wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden – und das wird ein teurer Spaß. Wie die Zeitung „Yomiuri Shimbun“ berichtet, fallen allein für die Organisation rund 1,6 Milliarden Euro Mehrkosten an. Diese Mittel werden unter anderem nötig, weil Hallen und Stadien neu gebucht werden müssen.

Auch die ausgefallene Transportlogistik und die Entschädigungen für die Käufer der Wohnungen im Olympischen Dorf gehen ins Geld.
Die Nachrichtenagentur Kyodo hat zudem errechnet, dass zusätzlich mehr als 800 Millionen Euro für Corona-Vorsorge fällig werden. Wer soll das bezahlen? Feststeht: Es ist schon jetzt nicht genügend Etat in der olympischen Kasse.


Ende Oktober wurde schon ein Maßnahmenpaket präsentiert, das Einsparungen für Mitarbeiter, Feiern und Dekoration um 240 Millionen Euro vorsieht. Die Organisatoren müssen nun bis Jahresende eine neue Finanzplanung vorlegen und mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um die Verteilung der Kosten feilschen. Mit erheblichem Pathos verteidigte IOC-Chef Thomas Bach die in Japan selbst sehr umstrittene Verlegung als „Licht am Ende des Tunnels. Aber kommt von dort auch zusätzliches Geld?

Werden Fans zugelassen?

Japans Premierminister Yoshihide Suga gibt sich bisher entschlossen, die Spiele im kommenden Jahr um jeden Preis in der Hauptstadt seines Landes auszurichten, als „Beweis, dass die Menschheit das Virus besiegt hat“. Gelingt ihm aber kein Kompromiss mit dem IOC und dessen Sponsoren, bleibt die japanische Regierung, also der Steuerzahler, auf den Mehrkosten sitzen. Das wird die ohnehin sehr gebremste Begeisterung der Japaner weiter bremsen. Die Mehrheit der Bevölkerung bezweifelt sowieso, dass angesichts internationaler Infektionszahlen die Austragung eines solchen Mega-Spektakels sinnvoll ist. Noch ist keineswegs ausgemacht, dass ausländische Olympia-Fans überhaupt als Zuschauer Zutritt zu den Sportwettkämpfen erhalten – auch wenn man auf einen Impfstoff hofft.


Bis jetzt schottet sich Japan rigoros ab – ein Grund dafür, glauben viele Japaner, für die relativ geringen Corona-Auswirkungen in ihrem Land. Bisher wurden 2057 Tote und insgesamt nur mehr als 147.000 Infektionsfälle registriert. Allerdings wird in Tokio spekuliert, dass im Interesse der Olympischen Spiele in Japan einfach sehr wenig getestet wird. Und seit Tagen steigen die Zahlen in Rekordhöhen.


Generell herrscht für diese Spiele kaum Begeisterung. Umfragen zeigen seit dem Ausbruch der Pandemie immer wieder, dass die Bevölkerung mit großer Mehrheit dafür ist, Olympia erneut zu verschieben oder ganz ausfallen zu lassen – man schätzt 70 Prozent wären für die eine oder die andere (Er)Lösung. Auch von den japanischen Sponsoren haben sich nach Medienberichten rund zwei Drittel noch nicht für eine Verlängerung ihrer Kontrakte entschieden.


Einen Feldversuch startete Japan mit einem internationalen Wettkampf vor rund drei Wochen, dem Vier-Nationen-Cup im Turnen, in einer Sportart also, in der Einzelkämpfer antreten und kaum Kontakte stattfinden.

Bitte nur leise applaudieren!

Zudem waren die Bedingungen mehr als fragwürdig und undenkbar für ein olympisches Mega-Event. Sie zeigen aber, was passieren kann, wenn die Spiele nach dem Gusto der Japaner stattfinden. Die Athleten aus den USA, China und Russland reisten in getrennten Charterflugzeugen nach Tokio, durften sich nur auf zugeteilten Hoteletagen sowie in abgeriegelten Zonen der Wettkampfstätte aufhalten. Alle Sportler und Begleiter mussten bei der Ankunft negative Corona-Tests vorweisen und wurden täglich getestet.


Für die wenigen Zuschauer herrschte Maskenpflicht, beim Eingang in die Halle wurde die Temperatur gemessen. Applaudieren durfte man nicht laut, anfeuern gar nicht. Für alle ausländischen Sportler und Gäste wird gefordert, dass sie nur mit einer extra japanischen Krankenversicherung und der japanischen Corona-App einreisen können. So stellen sich die japanischen Organisatoren die Spiele offenbar vor.