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Walk of Häme

Corona, Fanta, Sprite

Inzwischen wurde in Berlin der Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Nebendarsteller des Ibiza-Videos verhaftet.
Inzwischen wurde in Berlin der Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Nebendarsteller des Ibiza-Videos verhaftet.APA/HARALD SCHNEIDER
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Oder: Warum das Ibiza-Video jetzt sogar noch vor dem Free-TV im Parlament läuft.

Freitagabend geht die politische Woche in Österreich erst so richtig los. Da verkündet zuerst der Verfassungsgerichtshof nach monatelangen Beratungen die Aufhebung des Kopftuchverbots an Volksschulen und eine Stunde später eine Lockerung der Sterbehilfe-Bestimmungen ab Anfang 2022. Die Regierung arbeitet sogar noch ein bisschen länger, als sie gegen 22 Uhr die adaptierten Regeln für Weihnachten und Silvester präsentiert.

Das ist sehr nett, da bleiben nun noch ein paar Tage, um zu entscheiden, welche vier Personen von den zehn, die man für die Feiertage schon eingeladen hat, man wieder auslädt. Mit der Planung für den Jahreswechsel sollte man ohnehin noch zuwarten, die Vorgaben dafür werden sich bis dahin wohl noch einige Male ändern. Am besten abends gegen Wochenende die Info-Kanäle öffnen, da werden wir es dann erfahren.

Inzwischen wurde in Berlin der Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Nebendarsteller des Ibiza-Videos verhaftet (wer die „Presse“ liest, erfuhr das zuerst). Damit ist so manche, gern im Wahlkampf 2019 wiederholte, krause Theorie zur Urheberschaft des Videos vom Tisch. Und wie es der Zufall so will, hat das Justizministerium diese Woche erklärt, das gesamte Material des Abends in Ibiza müsse nach einer Entscheidung des Höchstgerichts nun doch noch vor Weihnachten dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss ungeschwärzt vorgelegt werden. Damit werden die Abgeordneten knapp zwei Jahre nach Bekanntwerden des Ibiza-Skandals das Video im Parlament sehen können. Noch bevor es im Free-TV gezeigt wird.

Derweil wurde schon der zweite Teil des Ibiza-Videos mit dem Untertitel „Der (Corona-)Wahnsinn geht weiter“ produziert. Gedreht diesmal mitten in Wien, statt Stunden dauert es nur wenige Minuten und der Hauptdarsteller war eingeweiht. Der Generalsekretär der FPÖ träufelt da während einer Rede vor dem Nationalrat Cola auf einen Corona-Schnelltest und ist dann ganz aufgeregt, als der Test nach bangen Minuten am Rednerpult tatsächlich jene Farbe annimmt, die auch bei einem positiven Ergebnis angezeigt wird. Ein Vorschlag, falls die Decke in der FPÖ-Zentrale wieder auf die Köpfe fällt: Test auch mit Fanta, Sprite und Spezi ausprobieren. Und schauen, was passiert, wenn man Cola über eine Computer-Tastatur und in einen Autotank leert . . .

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2020)