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Lokalkritik

Testessen: Chop Chop, Noble Savage und Labstelle

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Eine kleine Currykunde, ein Appell gegen die Themenverfehlung und die ultimative russisch-britische Weihnachtsempfehlung.

Den Sachverhalt habe ich schon in der Schule nicht verstanden: die Themenverfehlung. Genau genommen handelt es sich nur um einen Formalfehler, der nichts über den zu beurteilenden Inhalt aussagt. Lehrer, die deswegen eine Schularbeit negativ beurteilen, sind faul oder stur oder beides. Ich finde ja, die Qualität einer Arbeit kann auch hoch (oder niedrig) sein, wenn sie so nicht verlangt war. Ähnliches habe ich mir gedacht, als ich kürzlich diverse Currys kosten durfte.

Da wäre jenes mit Zackelschaf­fleisch und Dörrzwetschke, das die Lab­stelle anbietet. Es handelt sich um ein wirklich gutes Gericht, ich würde es nur nicht als Curry bezeichnen, sondern als Tajine, wie sie André Heller in seinem Garten servieren würde: bio-österreichisch das Fleisch, süß-würzig der Eintopf. (So darf man das natürlich nicht mehr nennen.) Jedenfalls sehr empfehlenswert.

Das würde ich gern uneingeschränkt über eine neue Adresse in Wien schreiben können, die im Zwidelock eröffnete. Das Chop Chop folgt einer California-Restaurant-Bar, dem legendären Más mit dem jungen, schicken Tex-Mex-Food, und dem edlen Schnöselschuppen Dennstedt. Die Küche bietet Asien von Bangkok über Peking nach Tokio und fusioniert das eigentlich ganz witzig. Das Lokal ist durchaus formschön, jetzt geht es aber um den Kartoninhalt: Das Curry Chicken muss sanft kritisiert werden, zu wenig Chicken und Schärfe, zu viel Suppe und Zwiebel.

An dieser Stelle hole ich zum Rundumschlag aus: Köche der asiatischen Küche zu Wien, senkt den Zwiebeleinsatz, es sei denn, ihr wollt auf Gulasch umsatteln! Bei Chop Chop punktet ein immer braves Padthai mit Shrimps und frittiertem süßen Chili-Huhn. Und freundlich sind die Stäbchen-Jungs!

Ein paar Ligen darüber freut man sich über eine vierte Haube: Igor Kuznetsov ist der zurzeit spannendste, weil radikalste Koch der Stadt. Der Mann werkt mit Zutaten aus den unglaublichsten Quellen des Landes und der Welt und arbeitet fern der Wiener Foodie-Mode-Blase. Kuznetsov bereitet dieser Tage die besten Pies zu, die man außerhalb des UK bekommt. Das Wildhasenragout mit Lardo im Blätterteig macht den Brexit besser erträglich. Zu Weihnachten bietet er ein Menü zum Abholen für vier Personen um 160 Euro: Dabei ist dann eine Hühnerleber-Pâté, Challa und ein Christmas Pie mit Angusrind und Reis mit Nüssen, Erbsen und Dörrfrüchten (vegetarisch: mit Butternuss-Kürbis). Man kann es auch allein über ein paar Tage essen und Corona als Vorwand verwenden, keinen zu treffen. Dazu empfehle ich passend alle Staffeln von „The Crown“. Nach Haube und Lockdown will Igor übrigens noch ein bisschen radikaler kochen. Ich habe schon ein bisschen Angst und freue mich.

Labstelle für zuhause: shop.labstelle.at

Chop Chop Take-away: www.chopchop.wien

Noble ­Savage Take-away: www.getsby.at

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