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Morgenglosse

Home-Office bedeutet Arbeit – echte Arbeit

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Anders als im ersten Lockdown arbeiten zur Zeit auch viele Büroangestellte wieder in der Firma.APA/AFP/INA FASSBENDER
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Viele Arbeitgeber misstrauen nach wie vor Home-Office. Aussagen der Politik verstärken das unnötigerweise.

Man muss Oswald Wagner, dem Vizerektor der Medizin-Uni Wien, zugutehalten, dass er schnell reagiert hat. Schon am Sonntag entschuldigte er sich für die Aussagen, die er 24 Stunden zuvor getätigt hatte. Da hatte Wagner gemeint, dass es verpflichtendes Home-Office geben solle, dann sei das Problem gelöst, dass viele Kinder trotz Lockdowns in Schulen und Kindergärten sitzen. Die Eltern könnten sie im Home-Office betreuen.

Eine Aussage, die vielen Eltern angesichts der Doppelbelastung seit Beginn der Pandemie sauer aufgestoßen ist und richtigerweise zurückgezogen wurde. Dass er mit seinem Grundgedanken aber nicht allein ist, zeigen Kommentare, die seither aus der Politik kommen. So erklärte etwa Bildungsminister Heinz Faßmann, die Kinderbetreuung solle mit „Maß und Ziel“ genutzt werden. Die Betreuung solle nur genutzt werden, „wenn man es wirklich braucht“.

Zwischen den Zeilen schwingt hier immer mit, Eltern, die von zu Hause arbeiten, könnten daneben doch leicht noch etwas anderes machen. Also beispielsweise Kinder betreuen. Und damit werden unnötigerweise jene Vorbehalte verstärkt, die es auch bei vielen Arbeitgebern nach wie vor gibt: Home-Office sei gar kein richtiges Arbeiten, weil alle nur Däumchen drehten, wenn der Chef nicht regelmäßig am Schreibtisch vorbeigeht.

Diese Sichtweise ist jedoch Unsinn. Home-Office bedeutet echtes Arbeiten, nur ohne physische Anwesenheit im Büro. Daher kann während des Home-Office logischerweise auch keine Kinderbetreuung stattfinden. Will die Politik also, dass die Schulen und Kindergärten sich leeren, muss sie den Eltern echten Anspruch auf Betreuungsfreistellung geben. Derzeit sitzen diese hier nämlich zwischen den Stühlen.

Sinnvoller wäre es aber, wenn die Politik einerseits dafür sorgte, dass die Lehrer rasch geimpft werden und andererseits auf Arbeitgeber einwirkte, temporär Home-Office einzuführen, wo es – trotz aller Schwierigkeiten – möglich ist. Denn das würde die Kontakte unter Erwachsenen weiter reduzieren und hätte so wohl mehr Einfluss auf das Infektionsgeschehen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2021)