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Lock-Auf

Anschober: Friseure müssen nur einmal pro Woche testen

Die Salons dürfen am Montag wieder öffnen (Archivbild).
Die Salons dürfen am Montag wieder öffnen (Archivbild).REUTERS
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Der Gesundheitsminister gibt Details zur bevorstehenden Lockerung des Lockdowns bekannt. Und erklärt, warum für Kunden anderes gilt als für Mitarbeiter.

Ab Montag darf man in Österreich wieder zum Friseur gehen: ausgestattet mit einer FFP2-Maske und einem Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Aber wie oft müssen der Friseur und seine Belegschaft testen? Das gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) im Ö1-Morgenjournal bekannt.

Mitarbeiter brauchen „mindestens einmal pro Woche eine Testung“, sagte Anschober im interview. Die Gesundheitsbehörden und die Exekutive würden das mit Stichproben überprüfen. Aber warum die Asymmetrie gegenüber den Kunden? Viele machten das ohnehin „freiwillig intensiver“, hofft Anschober. Wichtig sei aber, dass „ein gewisser Grundindikator“ da sei. Kombiniert mit den FFP2-Masken stehe ein „großer Schritt in Richtung Sicherheit“ bevor.

Die Regierung hofft, bis Ostern eine Normalisierung der Lage zu erreichen. Dann soll es auch mehr Impfungen für die Bevölkerung geben. Die nächtlichen Ausgangssperren zwischen 20 und 6 Uhr sollen künftig mit strengeren Strafen abgesichert werden, nämlich 90 statt  bisher 25 Euro.

Große Erleichterung bei Handel und Friseuren

Erleichterung herrscht indessen beim Handel und den Friseuren, dass sie ab Montag wieder öffnen dürfen. Wirtschaftsvertreter haben sich bis zuletzt für eine Wiedereröffnung des Handels ab 8. Februar stark gemacht. WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik und Handelsverband-Obmann Rainer Will begrüßten daher die Entscheidung der Regierung, den Handel unter Auflagen ab 8. Februar zu öffnen. Auch die körpernahen Dienstleister - u.a. Friseure - dürfen mit Einschränkungen aufsperren.

„Damit bekommt der heimische Handel Hilfe zur Selbsthilfe, nachdem aktuell fast ein Drittel der Händler von Zahlungsunfähigkeit betroffen ist“, sagte Will in einer ersten Stellungnahme. Auch Trefelik ortet eine „dramatische“ Situation bei den Handelsbetrieben, weil diese wegen dem Lockdown „wochenlang gar keine Umsätze“ erzielen konnten. Insgesamt zeigte sich der WKÖ-Handelsobmann mit den Lockerungsschritten zufrieden. „Das ist ein erster Schritt zurück in die Normalität“, sagte Trefelik am Montag. Für eine hohe Kundenfrequenz würden aber die Gastronomie und der Tourismus fehlen. Die FFP2-Maskenpflicht und die 20-Quadratmeter-Beschränkung pro Person in Geschäften sei „der Preis der Lockerung“, so Trefelik.

Weitgehende Hygienemaßnahmen vorbereitet

Die rund 22.500 geschlossenen Geschäfte haben laut Handelsvertretern bereits weitreichende Hygienemaßnahmen implementiert, um ein geordnetes Aufsperren und ein sicheres Einkaufen zu ermöglichen. Behördlich vorgeschrieben ist u.a. eine Begrenzung auf einen Kunden pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche, um große Menschenansammlungen in Geschäften und Einkaufszentren zu verhindern. Darüber hinaus ist das Tragen von FFP2-Masken verpflichtend und ein Abstand von mindestens zwei Metern einzuhalten.

Die Obfrau der WKÖ-Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster, zeigte sich erfreut über die Öffnungsschritte bei den körpernahen Dienstleistungen wie den Friseuren, auch „wenn sie sehr vorsichtig ausfallen“: „Es ist ganz entscheidend, den Betrieben und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine klare Perspektive zu geben.“ 

Auch die Friseurinnen und Friseure freuen sich, nach sechs Wochen coronabedingter Schließung ab 8. Februar wieder aufsperren zu dürfen. Für die Branche mit 9000 Unternehmen und über 17.000 Beschäftigten sei das „ein großes Aufatmen“, sagte Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder am Montagabend zur APA: „Dafür nehmen wir auch stärkere Auflagen in Kauf.“ Die künftig verpflichtenden Eintritts-Tests, die nicht älter als 48 Stunden sein dürfen, bezeichnete Eder als „sinnvoll“.

Bedenken, die Wiedereröffnung der Geschäfte könnte die Corona-Fallzahlen nach oben treiben, hat der Handelsverband-Obmann nicht. „Der Handel ist kein Corona-Hotspot, dafür sind die Aufenthaltsdauern zu gering und der Kundenkontakt zu lose. Auch in den Untersuchungen der AGES konnte keine Clusterbildung in den Geschäften nachgewiesen werden, das Infektionsgeschehen spielt sich vielmehr im privaten Haushaltsbereich ab“, zeigt sich Will überzeugt.

Gastronomie wird vermisst

Die Verlängerung des Lockdowns für die Hotellerie und Gastronomie habe allerdings einen stark negativen Einfluss auf die Kundenfrequenzen und damit auch auf die Umsätze im Handel. „Viele Betriebe, etwa der gesamte Lebensmittelgroßhandel, haben mit der Schließung von Gastronomie und Hotellerie ihre wichtigsten Kunden verloren und verzeichnen zum Teil massive Umsatzeinbrüche. Diese indirekt vom Lockdown betroffenen Betriebe warten seit Monaten auf die entsprechende Richtlinie und somit auch auf die Auszahlung der Corona-Hilfen“, kritisiert Will.

Der Handelsverband geht davon aus, dass die Konsumenten nun die Gelegenheit nutzen werden, Weihnachtsgeschenke umzutauschen oder Gutscheine und Geldgeschenke einzulösen. "Die Nachholeffekte werden generell unter einem Drittel liegen, da die Lockdown-Dauer eine sehr lange war", so die Einschätzung. Mittelfristig brauche man jetzt ein "Klima der Zuversicht", um den heimischen Handel anzukurbeln, denn die auf mittlerweile fast 15 Prozent gestiegene Sparquote gefährde hunderttausende Arbeitsplätze. Auch der Einkaufszentrenverband Austrian Council of Shopping Places (ACSP) zeigte sich über die Öffnungsschritte unter Auflagen erfreut.

„Wir wären da gerne dabei gewesen“ 

In der Gastronomie müssen die Betriebe noch warten: „Für uns war klar, dass der Februar für uns geschlossen bleiben wird“, sagte der Gastronomie-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, Mario Pulker. „Das ist beim letzten Gespräch mit dem Bundeskanzler klar kommuniziert worden. Die Öffnungsschritte sind mutig, und wir wären da gern dabei gewesen, aber das spielt's eben nicht.“ 

(kom, APA)