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Stadtplanung

Der Wiener Praterstern wird grün

Ein Verkehrsknotenpunkt als Grünoase. Zumindest ist das die Vision der Stadtregierung für den Wiener Praterstern.
Ein Verkehrsknotenpunkt als Grünoase. Zumindest ist das die Vision der Stadtregierung für den Wiener Praterstern.[ARGE Praterstern KENH Architekten ZT GmbH & DnD Landschaftsplanung ZT KG ]
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Der Verkehrsknotenpunkt, der auch ein sozialer Brennpunkt ist, wird umgebaut. Es kommt mehr Grün, ein Wasserspielplatz, ein Marktplatz und ein vegetarisches Bio-Lokal.

Wien. Der Praterstern ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, der täglich von rund 150.000 Menschen frequentiert wird. Denn hier werden zwei U-Bahn-Linien mit dem Schnellbahnnetz ins Wiener Umland verbunden. Der Platz rund um den gleichnamigen Bahnhof ist allerdings eine (in die Jahre gekommene) Betonwüste. Das soll sich nun ändern.

Planungsstadträtin Ulli Sima und Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (beide SPÖ) präsentierten am Freitag den Fahrplan zur Umgestaltung des Pratersterns. Er soll „ein grünes Tor zum Prater werden“, so Sima, die mit ihrem Amtsantritt als Planungsstadträtin vor wenigen Monaten die bisherigen Pläne nochmals überarbeiten ließ: „Denn ich wollte noch mehr Grün haben, als ursprünglich geplant.“

Ein Ort zum Verweilen

Was wird sich verändern? Der Praterstern soll nicht mehr nur ein Bahnhofsvorplatz sein, sondern auch ein Grünraum, der zum Verweilen einlädt – auch mit temporären Märkten. Ein wichtiger Pfeiler dieses Konzepts ist ein grüner Ring aus Pflanzen um den Praterstern, der den Platz vom Straßenverkehr optisch abschirmen soll. Dieser Ring wird aus 2,5 Meter breiten, leicht erhöhten Pflanzenbeeten bestehen. Konkret aus Ziergräsern und Kleinsträuchern, die dem Leben in der Stadt trotzen sollen; sind sie doch hitze-, trockenheits- und streusalzbeständig.

Insgesamt wird die Fläche des Grünraums am Praterstern auf 8000 Quadratmeter verdoppelt, um den Platz vor sommerlicher Überhitzung zu schützen. Dafür wird die Zahl der Bäume fast verdoppelt (es kommen insgesamt 55 neue Bäume). Die Kosten für das gesamte Projekt sollen 7,2 Millionen Euro betragen, im Sommer 2022 könnte der neue Praterstern feierlich eröffnet werden (der Start der Umbauarbeiten ist für den heurigen Herbst geplant).

„Wir machen den Praterstern grüner und kühler“, ergänzte Klimastadtrat Czernohorszky seine Parteikollegin Sima. Der Praterstern solle künftig Schattenplätze zum kurzen Verweilen bieten, aber auch der Bevölkerung des umliegenden Gebiets als eine Art Naherholungsgebiet dienen. Mit dieser Aussage spielt Czernohorszky auch auf ein Projekt an, das im Sommer den Platz massiv abkühlen soll: Beim Tegetthoff-Denkmal wird in der warmen Jahreszeit ein sternförmiger Wasserspielplatz in Betrieb sein, der 500 Quadratmeter umfasst. Als Ergänzung gibt es kühlende Wasserstrahler und Vernebler. Sie sind abhängig von der Temperatur und Jahreszeit in Betrieb. Damit entsteht „ein Platz am Platz“, der für die weitere Belebung des Pratersterns genutzt werden kann. So werden dort künftig auch Wochenmärkte und andere Veranstaltungen abgehalten. Es entsteht sozusagen ein neuer Bereich in der Leopoldstadt.

Um das Areal noch weiter zu begrünen, setzen Sima und Czernohorszky auf eine vertikale Begrünung an den Säulen des großen Glasvordachs vor dem Bahnhofsgebäude. Das wird mittels Pflanztrögen mit Rankseilen ermöglicht. Architektonisch sind die Tröge in Form der „Prateroide“ gestaltet. Also einer ellipsenförmigen Form, die die Form des Platzes wider- spiegelt. Diese Form wird auch für die neuen Sitzmöbel am Praterstern verwendet. Es sind Betonkreise, die die Bäume schützen, aber gleichzeitig mit Sitzen bestückt sind – um unter diesen Bäumen im Schatten verweilen zu können. In der Nacht werden die Prateroide von unten beleuchtet, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu heben.

Neues vegetarisches Bio-Lokal

Vor einiger Zeit wurde bereits die Stahlpergola rund um den Praterstern entfernt. Dadurch kann rund um das Tegetthoff-Denkmal ein freier Platz geschaffen werden. Zusätzlich werden die Pflanzen-Gabione, also die in Gitter gefassten Pflanzenkäfige, aus demselben Grund entfernt.

Aufgewertet werden soll der Praterstern auch durch ein neues Lokal. Das habs/GUT am Praterstern wird ein Lokal mit biologischen, regionalen und vegetarischen Speisen. Es wird im Bereich der früheren Polizeidienststelle voraussichtlich im Herbst 2021 eröffnen. Die neue Polizeidienststelle wird dafür in einem neuen Zubau untergebracht sein.

Begeistert zeigte sich der pinke Koalitionspartner der SPÖ: Bereits 2018 hätte man viele Vorschläge von Bürgern gesammelt und präsentiert, um den Praterstern zu einem Ort der Begegnung zu machen: „Viele Ideen werden jetzt umgesetzt“, betonten die Neos.

Die Umgestaltung des Pratersterns werde auch den ÖBB viel bringen, erklärte deren Infrastrukturvorständin Silvia Angelo. Der hellere Eindruck des Areals würde das subjektive Sicherheitsgefühl für Bahnkunden verbessern.

Nebenbei: Die Pläne von Simas Vorgängerin, der grünen Planungsstadträtin Birgit Hebein, für die Praterstraße wurden begraben. Es kommt nicht zu einer Reduktion der Fahrspuren, die Praterstraße wird aber trotzdem neu gestaltet. Hier sind Details aber noch offen. (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2021)