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Privatfinanzen

Europäer sparen deutlich mehr

Geschlossene Geschäfte in Deutschland, dort sind 2020 150 Mrd. Euro an Spargeldern auf die privaten Konten geflossen.
Geschlossene Geschäfte in Deutschland, dort sind 2020 150 Mrd. Euro an Spargeldern auf die privaten Konten geflossen.imago images/Marcel Lorenz
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585 Milliarden Euro sind im Coronajahr 2020 neu auf Giro- und Sparkonten der Eurozone geflossen. Das Sparvolumen hat damit um fast 50 Prozent zugenommen.

Frankfurt/Wien. Die Sparquote hat sich im Coronajahr 2020 nicht nur in Österreich verdoppelt, sondern in der ganzen Eurozone. In der Krise haben viele Menschen in Europa (wohl notgedrungen) deutlich mehr gespart, besagt eine neue Studie. Voriges Jahr flossen im Saldo 585 Mrd. Euro neu auf Giro- und Sparkonten in der Eurozone, heißt es in einer Analyse des Hamburger Finanzunternehmens Deposit Solutions. Damit sei das Sparvolumen im Währungsraum um 48 Prozent zum Vorjahr gewachsen. 2019 hatte es 395 Mrd. Euro erreicht.

Ein Großteil der neuen Gelder, rund 150 Mrd. Euro, entfalle auf deutsche Sparer, hieß es. Dabei erzielen sie mit Bankeinlagen wegen der Dauerniedrigzinsen kaum noch Rendite. In Österreich wurden laut kürzlichen Angaben um 17 Milliarden Euro mehr angespart – hauptsächlich von Personen der oberen Einkommenshälfte.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) stellte kürzlich fest, dass „Zwangssparen“ aufgrund der Einschränkungen der Konsummöglichkeiten im Lockdown und „Vorsichtssparen“ aufgrund der erhöhten Einkommensunsicherheit im Jahr 2020 zu einem starken Anstieg der Sparquote auf 13,7 Prozent (plus 5,5 Prozentpunkte) und einen Einbruch der privaten Konsumausgaben (minus 8,8 Prozent) geführt hat. Laut den Experten des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) ist die Sparquote hierzulande im Jahr 2020 sogar auf 15,7 Prozent gestiegen. Während des Jahres kam es sogar kurzfristig zu einer Verdreifachung der Sparquote.

 

Deutsche sind sparsam

In Deutschland stieg das Sparvolumen der Studie zufolge um 37 Prozent zum Vorjahr – stärker als in Italien (32 Prozent), aber weniger als in Frankreich (72) und Spanien (38). In Großbritannien, das gesondert untersucht wurde, lag das Plus gar bei 170 Prozent. Seit dem zweiten Quartal 2020 seien die Zuflüsse auf Sparkonten größer gewesen als in den Vorjahren, so die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach lagen Ende 2020 in der Eurozone rund 8,3 Billionen Euro auf Sparkonten. Analysiert wurden Giro-, Tagesgeld-, Festgeld- und andere Sparkonten.

„Sinkender Konsum und ein anhaltend unsicheres wirtschaftliches Umfeld haben dazu geführt, dass die Menschen mehr Geld auf ihren Konten haben als je zuvor“, sagte Tim Sievers, Chef von Deposit Solutions. Diese Entwicklung sei in allen Ländern Europas die gleiche. Sievers: „Spareinlagen nehmen eine immer zentralere Rolle in den Finanzportfolios der Menschen ein.“

In der Eurozone sind im vergangenen Jahr laut Studie die Bankguthaben französischer Sparer mit rund 2200 Euro pro Kopf am stärksten gestiegen, gefolgt von deutschen Sparern mit 1800 Euro. Dahinter lagen italienische und spanische Sparer mit pro Kopf 1300 Euro Zuwachs.

Für das Papier hat die Beratungsfirma Barkow Consulting unter anderem Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England analysiert. In Großbritannien stiegen die Kontoguthaben demnach um 2500 Euro pro Kopf.

 

16 von 100 Euro gespart

Dass die Menschen im Laufe der Coronakrise mehr Geld gespart haben, ist nicht neu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist die Sparquote in Deutschland im Coronajahr 2020 auf das Rekordhoch von 16,3 Prozent gestiegen, nach 10,9 Prozent im Vorjahr. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die deutschen Haushalte also im Schnitt gut 16 Euro zurück. In Österreich sind es 14 bis 15 Euro. (ag.)

AUF EINEN BLICK

Ende 2020 lagen in der Eurozone rund 8,3 Billionen Euro auf Sparkonten. Allein im Laufe des Krisenjahres kamen 585 Milliarden Euro neu dazu, das ist im Vergleich zum Jahr 2019 eine Zunahme von 48 Prozent. Am stärksten ist das Sparvolumen in Frankreich gestiegen (plus 72 Prozent), gefolgt von Spanien (38 Prozent) und Deutschland (37 Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2021)