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Die Verfolger von Bitcoin

Neben Bitcoin gibt es mehr als 8000 digitale Vermögenswerte mit unterschiedlichen Funktionen. Einige sind vielversprechend, mit vielen wird wild spekuliert.

Wien. Die große Revolution des Geldsystems heißt Bitcoin, darin sind sich die Marktteilnehmer inzwischen weitgehend einig. Die unmittelbar nach der Finanzkrise geschaffene, meistakzeptierte Kryptowährung umfasst 60 Prozent des gesamten Kryptomarkts. Bitcoin ist begrenzt, mehr als 21 Millionen können nie geschürft werden, die Cyberdevise soll daher einen Vermögenswertspeicher für alle bieten, die sich vor der Abwertung von Dollar, Euro und Co. fürchten.

Als vor einigen Jahren ein Schwall an Altcoins (Bitcoin-Alternativen) auf den Markt kam, zeigte sich, dass keines der Projekte Bitcoin den Rang ablaufen konnte, auch wenn einige als technologisch ausgereifter gelten und mehr Funktionen haben. Es sei schwer, Bitcoin von Platz eins zu verdrängen, sagt Lukas Enzersdorfer-Konrad von Bitpanda. Grund sei die starke Akzeptanz durch die Community.

Von einer solchen Akzeptanz sind die meisten der 8000 Kryptowährungen meilenweit entfernt. Am nächsten dran ist Ethereum, das vor Kurzem eine Aufwertung erfahren hat: Die New Yorker CME hat den Handel mit einem Terminkontrakt aufgenommen und Ethereum für eine neue Investorenschicht interessant gemacht. Ethereum wurde 2015 von Vitalik Buterin, einem kanadischen Programmierer mit russischen Wurzeln, entworfen. Wie Bitcoin ist auch Ethereum dezentral: Dahinter steht keine Notenbank, sondern ein Netzwerk.

 

Verträge auf der Blockchain

Neue Ether (so heißt die Währung, mit der man auf der Ethereum-Blockchain bezahlt) entstehen – wie bei Bitcoin – durch Mining, also indem Rechner Aufgaben lösen. Ethereum soll jedoch schrittweise von „Proof of Work“ (man erhält Ether für Rechenleistung) auf „Proof of Stake“ (man erhält Ether quasi als Zinsen für das Bereithalten bestehender Ether) umgestellt werden. Während Bitcoin mit 21 Millionen begrenzt ist, gibt es für Ethereum keine derartige Beschränkung. Und während Bitcoin als Alternativwährung zu Euro, Dollar und Co. konzipiert worden ist, ist der Hauptzweck von Ethereum ein anderer: Auf seiner Blockchain lassen sich Verträge abwickeln, Grundbücher aktualisieren oder Strom und Gas handeln. Dafür kommen sogenannte „Smart Contracts“ zum Einsatz: Computerprogramme, die laufend überprüfen, ob die Bedingungen eines Vertrags erfüllt sind, und automatisch Schritte setzen.

Während der Preis von Ethereum wie von Bitcoin durch Angebot und Nachfrage entsteht, handelt es sich bei Tether um eine sogenannte „Stable Coin“, die eins zu eins an den Dollar gekoppelt ist. Cardano mit seiner Währung ADA setzt ebenfalls auf „Smart Contracts“, neue Blöcke entstehen dort jetzt schon nach dem „Proof-of-Stake“-Verfahren. Mit der Binance Coin kann man Handelsgebühren bei der Kryptobörse Binance bezahlen oder in neue Projekte investieren. Polkadot ermöglicht es, unterschiedliche Blockchains zu verbinden. Ripple ist ein Netzwerk, das Banken währungsübergreifende Zahlungen erleichtern soll, die dazugehörige Währung heißt XRP.

Litecoin entstand bereits 2011 und ermöglicht schnellere und günstigere Zahlungen als Bitcoin. Eine ähnliche Funktion hat Bitcoin Cash, das sich 2017 von der Bitcoin-Blockchain abspaltete. Chainlink dient dazu, externe Daten für Blockchains zu verifizieren.

Die meisten der mehr als 8000 auf Coinmarketcap.com gelisteten digitalen Assets sind aber weitgehend ungeregelt und oft manipulationsanfällig, nicht alle sind seriös, nicht alle sind Währungen, manche haben auch ganz andere Funktionen.

 

Anonymität und Spaßprojekte

Einmal auf die Stärksten zu setzen und dabei zu bleiben, ist nicht immer sinnvoll. Einige Coins, die vor drei Jahren unter den Top Ten waren, sind zurückgefallen. Die Kryptobörse Bitpanda bietet ihren Kunden an, in einen Kryptoindex zu investieren, in dem die fünf, zehn oder 25 größten Kryptowährungen enthalten sind. „So ist man auf jeden Fall immer in den größten Kryptowährungen investiert“, meint Lukas Enzersdorfer-Konrad.

Indes biete man nicht alle Altcoins an. Monero etwa ist darauf abgestellt, dass man Zahlungsströme nicht nachvollziehen kann. Das berge allerdings das Risiko stärkerer Regulierung, meint Enzersdorfer-Konrad. „Solche Coins werden es schwer haben.“

Schließlich gibt es Spaßprojekte wie Dogecoin, das zuletzt von Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter hochgetrieben wurde und sich dann wieder von seinem Allzeithoch entfernt hat. Dogecoin habe zwar keinen technischen Zweck, aber große Unterstützung durch eine Community, sagt Enzersdorfer-Konrad.

Die Motive, sich Altcoins zuzulegen, liegen nicht immer in deren technischer Funktion. Die meisten Altcoins sind optisch billiger als Bitcoin, weil für eine Einheit weniger zu bezahlen ist. Ein Bitcoin kostete zuletzt mehr als 50.000 Dollar, ein Ether 2000, ein ADA einen Dollar. „Für viele Anleger scheint Bitcoin preistechnisch zu teuer zu sein“, meinte Analyst Timo Emden von Emden Research zu Reuters. Auch der Wunsch, mit Kryptowährungen zu bezahlen, variiert je nach Bekanntheit. 60 Prozent der US-Bürger würden gern öfter mit Bitcoin zahlen, zeigt eine Deal-Aid-Umfrage. 28 Prozent würden gern Ethereum ausgeben, 21 Prozent die Spaßwährung Dogecoin. Ripple kommt abgeschlagen auf Platz vier mit sieben Prozent.

Während immer mehr Altcoins auf den Markt kommen, arbeitet man an Verbesserungen für Bitcoin. Kritiker verweisen oft auf den hohen Energieverbrauch und die hohen Kosten bei Transaktionen. Dafür gebe es Lösungen, etwa das Lightning-Netzwerk, sagt Johannes Grill von Bitcoin Austria. Dabei finden Transaktionen in Zahlungskanälen außerhalb der Blockchain statt, sodass diese entlastet wird. Erst der Saldo wird wieder in die Blockchain aufgenommen. 2021 könnte das Jahr werden, in dem Lightning flächendeckend implementiert werde, glaubt Grill.

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