Armutsbekämpfung: UN-Gipfel zieht Zwischenbilanz

Armutsbekaempfung UNGipfel zieht Zwischenbilanz
(c) AP (Aaron Favila)

Der UN-Sondergipfel in New York berät über den Kampf gegen die Armut. 140 Staats- und Regierungschefs ziehen Zwischenbilanz der Millenniums-Entwicklungsziele.

Auf Einladung der Vereinten Nationen kommen ab heute, Montag, rund 140 Staats- und Regierungschefs in New York zusammen, um über den Kampf gegen Armut und Krankheiten zu beraten. Auf dem dreitägigen Gipfel sollen Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft eine Zwischenbilanz zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele ziehen, die vor zehn Jahren auf einem UN-Gipfel verabschiedet worden waren.

Die Millennium-Ziele sehen unter anderem bis zum Jahr 2015 eine Halbierung der Zahl der Hungernden, eine Senkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel und einen Stopp der Ausbreitung von Aids vor. Ihre Umsetzung erweist sich allerdings als schwierig. Experten warnen, dass alle Ziele verfehlt werden könnten. Österreich wird in New York von Bundespräsident Heinz Fischer vertreten.

Die "Millenniumsziele"

ARMUT: Der Anteil der unter Hunger und Armut leidenden Menschen soll - ausgehend vom Niveau von 1990 - bis 2015 halbiert werden. 1990 mussten 1,25 Milliarden Menschen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen, 2004 noch 980 Millionen. Laut Weltbank haben mehr als eine Milliarde Menschen nicht genug zu essen.

GRUNDBILDUNG: Bis 2015 sollen alle Kinder eine Grundschulbildung abschließen können. 2007 konnten nach einem UNICEF-Bericht 93 Millionen Kinder keine Schule besuchen - 20 Prozent weniger als 2002.

GLEICHBERECHTIGUNG: Die Diskriminierung der Frauen soll weltweit überwunden werden. Bisher änderte sich in vielen Ländern aber nur wenig. Das Ziel, geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Grundschulbildung bis 2005 zu beseitigen, wurde verfehlt.

KINDERSTERBLICHKEIT: Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren soll um zwei Drittel sinken. Weltweit erleben laut UNICEF 9,2 Millionen Kinder ihren fünften Geburtstag nicht. Vor acht Jahren waren es 12,7 Millionen.

MÜTTERGESUNDHEIT: Die Müttersterblichkeit soll bis 2015 um drei Viertel sinken. 500.000 Frauen sterben jährlich nach Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt. Die Zahl medizinischer Helfer bei Entbindungen nahm nur leicht zu. 1990 wurden 53 Prozent der Geburten von Fachpersonal betreut, bis 2007 stieg die Zahl auf 61.

GESUNDHEIT: Die Ausbreitung von Aids und anderen schweren Krankheiten soll gestoppt werden. Die Zahl der HIV-Ansteckungen ging laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) von 2001 bis 2008 um 16 Prozent zurück. 2008 konnte aber nur ein Drittel der 33,2 Millionen Aidskranken behandelt werden. Die Behandlung von Malaria und Tuberkulose ist laut WHO sehr wirksam, die Ergebnisse in einzelnen Regionen aber sehr unterschiedlich.

ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT: Ziel ist es, weltweit ökologisch effizient zu wirtschaften und Naturressourcen und Energie umweltschonend zu nutzen. Die Zahl der Menschen ohne sauberes Wasser soll halbiert werden. Laut WHO haben 2010 weltweit 87 Prozent Zugang zu Trinkwasser. Damit könnte ein Millenniumsziel erreicht werden. Experten erwarten aber, dass bis 2015 noch 2,1 Milliarden Menschen ohne sanitäre Grundversorgung sein werden.

ENTWICKLUNGSPARTNERSCHAFT: Allianzen von Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft und sollen wirksame Beiträge zur Erreichung der Millenniumsziele leisten. Die UNO registrierten 2009 vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, dass die von reichen Staaten für Entwicklungsziele versprochenen Gelder weit zurückhaltender eingehen als zuvor.

(APA)