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Wenn die Uhrzeiger lächeln

Freundlich. Die Zeiger bilden bei der Position zehn nach zehn eine Art V, das den Eindruck eines Lächelns vermitteln soll.
Freundlich. Die Zeiger bilden bei der Position zehn nach zehn eine Art V, das den Eindruck eines Lächelns vermitteln soll.Christine Pichler
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Es gibt einen guten Grund, warum die meisten Zeiger der Uhren in Schaufenstern auf zehn nach zehn stehen: Es ist ein verstecktes Zeichen für ein lächelndes Gesicht.

Warum eigentlich immer lächeln? Auf Fotos soll man lächeln. Wenn s gerade nicht geht, hilft ein "Cheese" auf den Lippen. Mona Lisa verzaubert Millionen Menschen seit Jahrhunderten mit ihrem Lächeln, und schenkt einem die Angebetete oder der Angebetete Mundwinkel, die nach oben zeigen, fühlt man sich dem Himmel ein Stück näher. Warum die Mimik des Lächelns ein Alleinstellungsmerkmal im Reich der Gesichtszeichen hat, mag viele Gründe haben. Einer davon könnte heißen: Auf der Welt ist es schön. Ein anderer: Alles wird gut.

Die Idee kommt aus Japan. Konsequenterweise setzen auch fast alle Uhrenhersteller beim Präsentieren ihrer Kollektionen auf ein Prinzip: Der kleine Zeiger steht auf der Zehn, der große auf Punkt zwei. Die Zeiger bilden also eine Art breitwinkeliges V, und genau diese Symbolik ist es, die Kaufwilligen den Eindruck eines Lächelns  vermitteln möchte und so die Geldtasche etwas lockerer sitzen lassen soll. Vielleicht ist zehn nach zehn aber auch einfach eine sympathische Uhrzeit. Wer schaut schon gern um halb sechs Uhr morgens auf die Uhr?

Ob die Strategie allerdings tatsächlich aufgeht, darf angezweifelt werden. Laut "Zeit online" haben Psychologiestudenten 115 Testpersonen unterschiedliche Uhren, sowohl mit beschriebener  Zeigerstellung als auch der um  gekehrten, auswählen lassen. Das Ergebnis: Es wurde weder mehr zum "lächelnden" noch zum anderen  Zifferblatt gegriffen. Wie auch immer: Zehn nach zehn dürfte auf jeden Fall besser funktionieren als fünf vor zwölf.

Hinter dem vermeintlichen Verkaufstrick soll die japanische Uhrenfirma Seiko stecken. In den 1960er-Jahren hatte das Unternehmen bestimmt, ihre Uhren in Anzeigen genau auf zehn Uhr, acht Minuten und 42 Sekunden zu stellen. Nachzulesen ist das in dem Buch "Japanische Zeiten -  Eine Ethnographie der Vergänglichkeit" von Florian Coulmas, Wissenschaftler am deutschen Institut für Japanologie in Tokio. Woher  dieser Wert kommt, konnte bis heute nicht wirklich geklärt werden. Dennoch machten es Uhrenhersteller auf der ganzen Welt den Japanern im Prinzip nach.

Ach ja, da wäre noch etwas. Auch bei Uhren, die mit Datumsanzeige ausgestattet sind, gilt es eine Entscheidung zu fällen, welcher Tag des Monats das Ziffernblatt wohl am ehesten schmückt. Hierbei fällt die Auswahl oft auf die Zahl Acht. Der Grund hierfür lässt sich mehr oder weniger plausibel erklären. Im chinesischen Kulturkreis gilt die Acht als Glückszahl. Außerdem klingt "Ba", also acht, so ähnlich wie "Fa", und diese zwei Buchstaben  stehen wiederum für Wohlstand. Kalendertage in Zusammenhang mit der Acht gelten für private Feste und Geschäftseröffnungen als günstig. Wer weniger abergläubisch ist, kann über derlei Geschichten zumindest - lächeln.