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Bildungsplanung

Tagesseminar und Wissensupdate

Es gibt eine Vielzahl von Weiterbildungswegen. Bei der Auswahl ist neben dem Ziel auch das richtige Timing entscheidend.
Es gibt eine Vielzahl von Weiterbildungswegen. Bei der Auswahl ist neben dem Ziel auch das richtige Timing entscheidend.Getty Images
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Der Wille zur Weiterbildung allein reicht nicht. Es braucht auch Zeit, das Umfeld und die innere Einstellung.

Je größer mein Business wurde, umso mehr musste ich einsehen, dass Fortbildung Zeit kostet und dass ich sie genauso organisieren muss wie alles andere“, sagt Claudia Kauscheder, Betreiberin der Plattform abeteuerhome-office.at. Vor etwa vier Jahren hatte sie das Gefühl, dass ihr die Multitasking-Arbeits- und Fortbildungswelt entgleitet. „Gezeigt hat sich das, als ich Fortbildungen gebucht hatte und nichts davon umsetzen konnte. Das ist sehr unbefriedigend, wenn man viel Geld dafür ausgibt.“

Auf Zertifikat achten

Lebenslanges Lernen ist vielfach schon in den Köpfen der Menschen angekommen, und dafür sollte grundsätzlich immer der richtige Zeitpunkt sein. Doch wie Kauscheders Beispiel zeigt: Man muss sich dafür Raum schaffen – und Bewusstsein. „Zum Start in den Job ist der Abschluss einer Schule oder auch eines Studiums die Eintrittskarte. Danach kann und muss man sich viele positionsadäquate Fähigkeiten aneignen. Manches lernt man im Selbststudium und beim Training on the Job, aber für vieles braucht es auch einen Anstoß von außen“, sagt Richard Melbinger, Geschäftsführer der ARS-Akademie. Es brauche Experten, „die einem an ihrem Know-how teilhaben lassen und über ihre Praxiserfahrungen berichten“. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Auswahl: Dass ein Weiterbildungsinstitut zertifiziert ist und man die Ausbildung mit einer Zertifizierung abschließen kann, werde immer wichtiger.

Kauscheder ist bestrebt, bei ihren Fortbildungen nicht ziellos zu konsumieren, sondern zumindest eine gewonnene Erkenntnis sofort umzusetzen.

Gerade aktuell sei eine gute Zeit, um Fortbildung sinnstiftend anzugehen, sagt Herbert Korvas. Er leitet den Diplomlehrgang „Bildungs- und Berufscoach“ am BFI Salzburg“. „Zusätzliche Zeit– unter anderem durch Bildungskarenzen oder durch Kurzarbeit – führt gerade zu einem Ausbildungsboom.“ Die eigene Motivation, das Verständnis der Familie, Lebenspartner und Arbeitskollegen spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Und die individuellen Fördermöglichkeiten oder die Angebote der Personalentwicklungsabteilungen.

Nicht nur in der Freizeit

„Die innere Einstellung zur Fortbildung ist für mich sehr wichtig. Sie gehört zu meiner Selbstständigkeit einfach dazu. Dementsprechend zahlt das auch auf das Arbeitsstundenkonto ein. Immer nur die Fortbildung während der Freizeit zu machen ist weniger optimal, vor allem, wenn es um die Umsetzung geht“, sagt Kauscheder. Nicht nur das Bewusstsein dafür, dass Lernen Arbeit ist, sollte beim Fortbildungsplan bedacht werden, sondern auch das Finanzielle. „Ich erlebe am häufigsten die Selbstfinanzierung oder Förderungen oder eine Mischung daraus“, sagt Korvas.

Zahlreiche Förderungen

Der Experte empfiehlt, in der Datenbank der Erwachsenenbildung nach passenden Förderungen zu suchen. Auch Unternehmen können diese Unterstützungen in Anspruch nehmen, weiß der Experte: „Größere Organisationen fördern häufiger unter sehr professionellen Gesichtspunkten, bieten aber weniger Spielraum bei der Auswahl der zur Verfügung stehenden Ausbildungsanbieter an, kleinere Organisationen gehen individueller auf die Wünsche der Mitarbeiter ein. Oft wissen sie aber zu wenig über die Fördermöglichkeiten.“ Auch für Unternehmen sei das AMS und die dort angesiedelte Qualifizierungsförderung für Betriebe eine tolle Möglichkeit, „aber gerade kleine nutzen diese meiner Ansicht nach zu wenig.“

Lebenslanges Lernen mache uns als Menschen aus, meint Kauscheder. Und sollte individuell gehandhabt werden. „Der eine möchte einen kurzen Einstieg in ein Thema und wählt ein Tagesseminar – eine zeitökonomische und günstige Variante. Der andere zieht es vor, sich in eine Materie zu vertiefen und mit einem Zertifikat nach Hause zu gehen. Das dauert länger und ist teurer. Andere sind bereits Experten, möchten ein Wissensupdate und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Sie sind gut bei einer Tagung oder einem Kongress aufgehoben“, erläutert Melbinger. Auch Online-Angebote werden aktuell stark genutzt. Doch Kauscheder gibt zu bedenken: „Selbst wenn Kurse zu besonders günstigen Preisen angeboten werden, ist es nicht sinnvoll, diese ,Schnäppchen‘ zu erwerben, wenn man keine Zeit hat, die Inhalte umzusetzen.“ Selbst wenn man ein Jahr später das Doppelte dafür zahlen würde, sei es sinnvoller, weil dann die Erkenntnisse wertvoller seien. Ein weiterer Tipp: Im Vorfeld für sich selbst abklären, ob man lieber begleitet oder eigenverantwortlich lernen möchte.

Web:https://abenteuerhomeoffice.at,

www.ars.at, www.bfi-sbg.at, www.wko.at,

https://erwachsenenbildung.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2021)