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Brüssels grüne Oase

Ein Bild aus besseren Tagen, Brüssels grüne Oase: Bois de la Cambre
Ein Bild aus besseren Tagen, Brüssels grüne Oase: Bois de la CambreImago Images
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Nach einem entglittenen illegalen Happening kennt den Bois de la Cambre halb Europa. Brüssels grüne Oase hat Besseres verdient.

Was einem auf Reisen so alles über den Weg läuft

Kavallerieattacken, brennende Barrikaden, Wasserwerfer, knapp zwei Dutzend Verletzte: der 1. April brachte die Gewalt an einen der angenehmsten Orte Brüssels. Im Bois de la Cambre, einem rund einen Quadratkilometer großen Landschaftspark im Südosten der Stadt, hatten ein paar Scherzkekse via Facebook zu „La Boum“ eingeladen, einer großen Freiluftparty. Das war natürlich nicht wirklich ernst gemeint, auch in Belgien gelten derzeit strenge Corona-Beschränkungen. Trotzdem bekundeten rund 51.000 Menschen auf Facebook ihr Interesse, mehr als 5000 kreuzten auf, den Rest kennen Sie vermutlich aus den Abendnachrichten.

Ich bin dem Bois de la Cambre (der seinen Namen einer nahen Abtei verdankt, der Abbaye de la Cambre) seit fast 20 Jahren tief verbunden. Wie viele Laufrunden habe ich schon um seinen Teich mit der kleinen Insel und der Brasserie „Chalet Robinson“ gezogen! Wie oft lag ich hier im Sommer faul auf einer Decke, ein gutes Buch lesend! In normalen Zeiten würden jetzt die Pfadfinder Brüssels den Wald in ein riesiges Feldlager verwandeln, um ihr 24-Stunden-Fahrradrennen zu veranstalten: das muss man gesehen haben, ein großartiger jugendlicher Spaß ist das. Angeblich spielten englische Soldaten vor der Schlacht von Waterloo hier Cricket. Der „BDC“ ist ein zutiefst egalitärer Ort: Vor zwei Jahren stellte ich bei einem Picknick plötzlich fest, dass der Weltstar Stromae nebenan mit Kind und Kegel ausspannte. Niemand behelligte ihn. Dieses Leben-und-leben-lassen ist einer der Gründe, warum ich Belgien so gern mag.

oliver.grimm@diepresse.com
Nächste Woche: Timo Völker

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2021)