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Super League

Die Fußballwelt nach dem großen Knall

FBL-ENG-PR-ASTON VILLA-MAN CITY
Enttäuschte englische Fans.APA/AFP/GEOFF CADDICK
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Fürs Erste ist das Milliardenprojekt gescheitert. Aber was nun? Reals Präsident Pérez gibt nicht auf – und die Topklubs werden ihren Einfluss früher oder später ausspielen.

Zwei wilde Fußball-Tage haben Spuren hinterlassen. Die Debatte um die letztlich schnell gescheiterte Super League hat gezeigt, wie fragil dieses Milliarden-Business sein kann. Die Uefa scheint zunächst gestärkt. Doch die ökonomischen Probleme mehrerer Branchenführer sind nicht aus der Welt. Die Topklubs werden jedenfalls neue Antworten suchen.

Was steckte wirklich hinter den Super-League-Plänen?

Geldgier? Visionäre Fußball-Zukunft? Die Initiatoren der Super League um Florentino Pérez (Real Madrid) und Andrea Agnelli (Juventus Turin) planten ihr Projekt von langer Hand. Die schnelle Umsetzung in der Nacht vor der entscheidenden Uefa-Sitzung zur Champions-League-Reform war dann ein bewusster Coup. Die erwarteten Änderungen reichten ihnen schlicht nicht. Das Problem: Die Milliardäre haben überreizt und den Faktor Fan- und Fußball-Kultur, der in ihrer Gedankenwelt kaum vorkommt, unterschätzt.

Im Nachhinein wird nun klar, was sie vor allem antrieb. Das Geld geht aus in der Beletage. Milliardenschulden drücken. Neue Märkte müssen her. Die Klubs aus England folgten aber nicht aus genereller Überzeugung, sondern als Mitläufer. Ihre Angst: Die nationale Konkurrenz könnte ihnen als Super-League-Klubs enteilen.

 Ist das Konstrukt einer Super League ein für alle Mal vom Tisch?

Nein. Nach der Abfuhr folgt sicherlich eine Auszeit. Doch die Idee einer Super League ist nicht neu. Schon 1964 schrieb der englische Fußball-Autor Brian Glanville kritisch über ein drohendes Super-League-Szenario. Nach einer Phase der Neuorientierung dürften die Topklubs ihren Einfluss wieder geltend machen, vermutlich innerhalb der Uefa-Hierarchie – oder doch mit Rückendeckung anderer Akteure. Die Champions League kommt ab 2024 der Super-League-Idee ohnehin näher. Und die Fifa bereitet sich auf die Umsetzung der globalen Klub-WM vor.

Real Madrids Präsident Florentino Pérez gibt noch nicht auf. „Da liegen sie komplett falsch“, sagte er in Richtung der Kritiker, die das Projekt für erledigt erklärt haben, in einem Radio-Interview. Er denke nicht, dass die anderen Vereine die Super League verlassen haben. „Es ist klar im Vertrag, dass du nicht gehen kannst“, sagte der 74-Jährige.

Wie gehen die Fans künftig mit den zwölf Abtrünnigen um?

Größere Proteste wie Fan-Demos in den Straßen Londons dürfte es zunächst nicht mehr geben. Zu eindeutig waren die Reuebekundungen der Vereinsbosse. Und im Saisonendspurt geht es jetzt um Titel. Das zieht die Anhänger wohl in den Bann. Doch die organisierten Fan-Gruppen wittern die Chance, noch eindringlicher auf ihre Interessen hinzuweisen. „Der wahre Kampf beginnt jetzt“, schrieb das Netzwerk „Football Supporters Europe (FSE)“.


Welche Zukunft haben die Initiatoren wie Pérez und Agnelli?

Florentino Pérez ist bei Real Madrid gewählt. Andrea Agnelli Teil der Juventus-Dynastie. Beide dürften kaum um ihre Posten bangen müssen. In England aber gibt es Stimmen, die eine generelle Abkehr vom Investoren-Geld aus den Emiraten, Russland oder den USA fordern. Klublegende Jamie Carragher mahnte eine neue Vereinsstruktur für Liverpool an. Nicht umsonst ruderten die Eigentümer kleinlaut zurück. Das ohnehin nur begrenzt vorhandene Vertrauen muss neu gewonnen werden.

Müssen die zwölf Mitgründer Strafen fürchten?

Danach sieht es nicht aus. Der Einflussverlust bei Uefa und European Club Association ist erstmal Strafe genug. Die Uefa will ihre laufenden Wettbewerbe wie Champions League und Europameisterschaft auch nicht beschädigen. Das Halbfinale der Königsklasse soll wie geplant mit den Partien von Real Madrid gegen Chelsea und Manchester City gegen Paris Saint-Germain stattfinden. Für die EM wird kein Superstar gesperrt.

("Die Presse", Printausgabe 23.04.2021)

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