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Museum

Lilli Hollein wird neue MAK-Direktorin

(c) imago images / SKATA (via www.imago-images.de)
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Als erste Frau wird die Designexpertin ab 1. September das Museum für angewandte Kunst führen. Sie löst Christoph Thun-Hohenstein ab, der sich um eine dritte Periode beworben hatte.

Einmal wird ihre Zeit kommen, das war für alle, die den Weg von Lilli Hollein verfolgten, absehbar: Schon einmal soll sie sich für das Haus am Stubenring beworben haben. Doch nach dem unrühmlichen Ende der Ära Peter Noever ließ die Kulturpolitik erst einmal einen Diplomaten ans Ruder. Mit Christoph Thun Hohenstein geriet das MAK in ruhigere Gewässer, manchen zu ruhig. Allerdings schlug er weise und mit Blick auf den globalen Zeitgeist die richtige Richtung ein – neben dem hier unvermeidlichen Wien-um-1900-Schwerpunkt war das die Wende zur Nachhaltigkeit in Architektur und Design. Er gründete die Biennale for Change, einer seiner Essays trägt den brückeschlagenden Titel „Klimaschönheit“. Thun-Hohenstein (61) hätte gerne noch mit einer dritten Periode hier seine Karriere abgerundet, die ihn u. a. ins österreichische Kulturinstitut New York und als Leiter zur Förderagentur Departure brachte. Doch Zorn ist sein Stil nicht, er schätze Hollein seit langem, habe immer gut mit ihr zusammengearbeitet und wende sich mit großer Freude einem neuen Projekt zu, auf das er noch nicht näher eingehen möchte. „Vielleicht ist das alles ja auch eine Fügung“, so Thun-Hohenstein im „Presse“-Gespräch.

Hollein und Thun-Hohenstein kennen sich gut. Bis Jänner war Hollein, 1972 in Wien geboren, auch Vorsitzende des MAK-Kuratorium. Dann trat sie zurück. Dem „Standard“ gab sie als Grund einen möglichen Interessenskonflikt aufgrund einer geplanten großen Retrospektive des MAK auf Architekt Hans Hollein 2022 an – ihrem Vater. 2016 hatten Lilli und ihr Bruder Max Hollein, Direktor des Metropolitan Museum New York, den Großteil des Nachlasses von Hans Hollein der Republik verkauft. Das MAK gab das Konvolut als Dauerleihgabe dem Architekturzentrum Wien zur Bearbeitung.

Während die Ausschreibung für das MAK lief, rätselte man also, wie Lilli Hollein diesen „Interessenskonflikt“ als Direktorin beilegen werde. Denn dass sie sich beworben habe und als aussichtsreichste Kandidatin galt, war bald klar. Heute, Montag um 11 Uhr, war es dann soweit: Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer präsentierte die neue Geschäftsführung des MAK und würdigte den amtierenden Direktor Thun-Hohenstein für die „gute und erfolgreiche Führung“. Ihre Entscheidung sei keine gegen die Arbeit von Thun-Hohenstein gewesen, sondern für einen „weiteren Schritt in die Zukunft des MAK“. Es haben sich 16, davon 10 Männer, für die wissenschaftliche Direktion beworben, so Mayer. In der Jury saßen u. a. Jakob Lena Knebl, Thomas Trummer, Ilselbill Barta, Sektionschef Jürgen Meindl. Die Kommission habe Hollein einstimmig als erste gereiht, so Mayer, dem sei sie gefolgt.

Hollein überzeugte u. a. durch ihre „klaren Ideen zur Öffnung des Hauses“, sie bringe, so Mayer, viel Erfahrung mit, viel Lebensfreude und hohe soziale Intelligenz und stehe damit für ein dynamisches, mutiges Management und Teamfähigkeit - „alles wichtig für eine postpandemische Museumsführung“, erklärte die Staatssekretärin. Die schon im Vorfeld der Bestellung thematisierte Problemati mit dem Nachlass von Vater Hans Hollein wolle sie ebenfalls gleich ansprechen: „Lilli Hollein ist damit vorbildhaft transparent umgegangen und wird sämtliche Entscheidungen den Nachlass des Vaters betreffend, dem Kuratorium überlassen.“ Mayer mit großer Überzeugung: „Es darf für hochqualifizierte Töchter berühmter Väter keine Nachteile geben. Sie wird nicht wegen ihrem Vater Direktorin, sondern weil sie sie ist und sich gegen andere hochqualifizierte Bewerber durchgesetzt hat“.

„Nicht weniger hochqualifiziert“, ging Mayer zur dritten Frau dieser Pressekonferenz über, ist die andere Hälfte der Geschäftsführung: Die 2016 bestellte kaufmännische Direktorin ist ebenfalls einstimmig von der Jury wieder empfohlen worden, die Funktion bleibt bei Teresa Marchesani.

Lilli Hollein war sichtbar gerührt: „Das ist ein aufregender Tag, für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt, dem ich mich voller Freude und Energie stellen möchte.“ Sie habe in diesem Museum Ausstellungen und Momente erlebt, die sie geprägt haben. Sie möchte, dass „dieser Funke auch auf andere überspringt“, sie möchte eine „ansteckende Energie“ entfachen, die „eine Verbindung zu diesem Museum“ schafft und stärkt. „Man muss mit dem Publikum in Verbindung bleiben, mit ihm kommunizieren, gerade in diesen Zeiten“, so Hollein. „Meine Pläne für das MAK drehen sich um das Sich-Öffnen: Explizit für ein vielfältiges Publikum“. Die Vermittlung „innovativ weiterzuentwickeln“ werde ein Schwerpunkt ihrer Direktion sein.

Hollein ist nunmehr die erste Frau, die das 1863 als k. k. Museum für Kunst und Industrie gegründete Haus leitet. Regulär,  2011 war Martina Kandeler-Fritsch einige Monate Interims-Direktorin, als Peter Noever wegen des Vorwurfs von Unregelmäßigkeiten abtreten musste. In direkter Nachbarschaft schon hat Lilli (Karoline) Hollein studiert: Industriedesign an der Angewandten. Danach arbeitete sie im Journalismus, kuratierte Ausstellungen über Design und gründete 2007  mit Tulga Beyerle und Thomas Geisler die „Vienna Design Week“, die sie mittlerweile alleine leitet. Das Festival ist ein Erfolg, erreicht jeden Herbst 40.000 Besucher und umfasste zuletzt rund 200 Veranstaltungen. Nach 15 Jahren wird sie erstmals als Gast bei der „Vienna Design Week“ dabei sein: Gabriel Roland wird die Leitung übernehmen.

Mit Hollein wurde also eine Expertin für das MAK gefunden, sie ist als Kuratoriumsmitglied in Museen wie dem MAK und (immer noch) im Mumok vertraut mit den Problemen, national und international bestens vernetzt und überhaupt - eine Pragmatikerin mit Visionen.