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Gastronomie

Linzer Vivatis-Gruppe übernimmt Traditionshaus Gerstner

Der k. u. k. Hofzuckerbäcker Gerstner in Wien wurde an die Tochter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich verkauft.

Knapp eineinhalb Jahre haben die Verhandlungen dem Vernehmen nach gedauert. Nun wurde der Deal vollzogen. Am Donnerstag informierte Oliver W. Braun die Mitarbeiter, dass sie künftig einen neuen Eigentümer, die Vivatis-Gruppe, haben werden.

 

Für Braun geht somit ein mehr als 20 Jahre altes Werk zu Ende. Er hat den k. u. k. Hofzuckerbäcker Gerstner in Wien im Jahr 2000 übernommen. Nun will er sich wieder ganz seinen Hotels widmen. Das Wiener Ringstraßenhotel Hotel de France soll aufwendig umgebaut und 2024 pünktlich zum 150-jährigen Bestandsjubiläum wiedereröffnet werden.

„Gerstner ist eine Marke von qualitativem Weltruhm und öffnet uns die Tür ins anspruchsvolle Spitzensegment des Catering-Marktes“, wird Gerald Hackl, Vorstandschef der Vivatis-Holding, in einer Aussendung zitiert. „Gemeinsam mit der höchst erfolgreichen Eventgastronomie bei Gourmet sehen wir ein enormes Entwicklungs- und Wachstumspotenzial“, erklärte Hackl. Mit dem Kauf des Gerstners öffnet sich für Vivatis eine große Tür auf dem Wiener Event-Catering-Markt.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Klar ist, dass mit der Zusammenführung der Caterer Gourmet und Gerstner viele Synergien gehoben werden können. „Wir führen die jeweiligen Stärken und das Know-how beider Unternehmen zusammen und können so künftig noch besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen“, formuliert es Gourmet-Geschäftsführer Herbert Fuchs.

Die Vivatis-Gruppe ist eine 100-Prozent-Tochter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Die Gruppe zählt zu den größten österreichischen Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche. Neben dem Gourmet-Catering steht Vivatis auch für Marken wie Maresi, KnabberNossi, Inzersdorfer, Toni Kaiser oder Bauernland. Was die Gastronomie betrifft, so zählen der Wiener Rathauskeller und das Café Schwarzenberg zu den bekanntesten Adressen. Die Gruppe versteht sich als wichtiger Partner der heimischen Landwirtschaft.

Oliver W. Braun betonte gegenüber der „Presse“, dass es sich um keinen „Notverkauf“ handle. Gerstner sei schuldenfrei und habe die Pandemie den Umständen entsprechend gut überstanden.

„Als Unternehmer einer Institution, die seit 175 Jahren besteht, gilt es stets die Verantwortung zu übernehmen, mit Weitblick im Sinne des Traditionsunternehmens und seiner Mitarbeiter“, teilt er in einer Aussendung mit. „Alles hat seine Zeit, und ich bin stolz, meinen Beitrag erfolgreich dazu geleistet zu haben“, sagt Braun.

Der Kauf der Gerstner Catering Betriebsgesellschaft steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Prüfung. Das Closing wird in wenigen Wochen erwartet.

Gerstner-Philosophie bleibt

Vivatis betonte am Donnerstag, dass Gerstner unter dem Dach von Gourmet unverändert weitergeführt werden. „Die traditionsreichen Standorte, die exklusive, starke Marke Gerstner sowie die Gerstner-Philosophie bleiben voll und ganz erhalten“, heißt es. Die 128 Mitarbeiter bleiben im Unternehmen. (gh)


[RG1JN]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2021)