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Klassik auf dem Müll

Ein Tagebuch des Beethoven-Freundes Anton Reicha fand sich in einer Pariser Mülltonne.

Ein Sensationsfund gelang einer aufmerksamen Zeitgenossin in Paris: Neben einer Mülltonne fand sie ein Kuvert mit der Aufschrift "Antoine Reicha", in dem sich ein Tagebuch aus dem frühen 19. Jahrhundert befand. Es stellte sich heraus, dass es sich um Aufzeichnungen von Anton Reicha handelt, der seine späten Jahre in Paris verbracht hat und ein hoch angesehener Komponist war.

Reicha war wenige Monate älter als Ludwig van Beethoven, stammte aus Prag und lernte Beethoven in Bonn kennen, wo er als Flötist neben Beethoven, der Bratsche spielte, im Hoforchester wirkte. Die beiden Musiker wurden Freunde, Reicha studierte später bei den selben Lehrern wie Beethoven, Albrechtsberger und Salieri.

Bläser schätzen Reicha bis heute, denn er hinterließ zwei Dutzend glänzend gesetzte, virtuose Bläserquintette. Die Zeitgenossen sahen in Reicha nicht zuletzt einen erfolgreichen Lehrer: Als Nachfolger Etienne N. Mehuls unterrichtete Reicha am Pariser Konservatorium. Die Liste seiner Studenten ist bemerkenswert: Franz Liszt, Hector Berlioz, Charles Gounod, Cesar Franck und Friedrich von Flotow holten sich bei ihm Rat.

Beethovens Schüler Carl Czerny übersetzte Reichas mehrbändige Kompositionslehre (darunter auch ein Leitfaden für Opernkomponisten) ins Deutsche.

Die Tagebücher, die nun in Paris zufällig aufgefunden wurden, enthalten Skizzen und persönliche Aufzeichnungen Reichas aus der Pariser Zeit und werden nun von  Musikwissenschaftlern der Mährischen Landesbibliothek in Brünn ausgewertet, die sich seit Jahren um die Erforschung von Reichas Leben und Werk bemühen. Sie suchen auch nach einer Erklärung, woher das Konvolut stammen könnte: "Vermutlich waren es entfernte Verwandte Reichas, die in Paris leben und keine Ahnung hatten, was sie da in Händen hielten", meint eine Vertreterin der Landesbibliothek.