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Kosten

Bauboom sorgt für Rekordpreise

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Rohbauten im Weinviertel (Archivbild)(c) imago/allOver (KTH)
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Es sind mehr Baustellen in Sicht. Eine Welle an Baugenehmigungen deutet darauf hin.

Wien. Es wird in die Hände gespuckt. Österreich ist im Baufieber. 2020 wurden 72.000 Neubauwohnungen errichtet. Ähnliche Werte werden für heuer erwartet. Allein die Baugenehmigungen Ende 2020 lagen um 15 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Das geht aus einer Studie der Bank Austria hervor.

Die Nachfrage nach Wohnbau reißt nicht ab und soll sich sogar beschleunigen. Geld ist reichlich vorhanden, Zinsen wurden de facto abgeschafft, und die Angst vor der Inflation nimmt zu. Also bleiben Immobilien eine geschätzte Anlage.

Außerdem schob der Staat die Konjunktur an, pumpte in Form einer Investitionsprämie Milliarden Euro in die darniederliegende Wirtschaft. Also zogen viele Unternehmen trotz schwieriger Corona-Zeiten geplante Projekte vor. Auch Förderungen von klimafreundlichen Sanierungsmaßnahmen halten den Wohnbau weiter in Schwung.

Hohe Kosten und Engpässe

Zusätzlich polieren private Haushalte die unfreiwillige Häuslichkeit auf. Statt in den Urlaub zu fahren, wurde ein Swimmingpool angeschafft oder das Dach ausgebaut. Im zweiten Quartal 2021 gaben so viele Konsumenten an, in den nächsten zwölf Monaten eine Wohnraumsanierung zu planen, wie noch nie.

Die Folge: Alles wird teurer. Im April sind die Kosten um sieben Prozent gestiegen, seit Jänner um durchschnittlich 4,7 Prozent.

„Ähnlich hohe Zuwächse der Baukosten wie 2021 wurden zuletzt in den Jahren 2006 bis 2008 registriert“, sagt der UniCredit-Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf. „Damals wurden die Kosten ebenfalls von einem Wohnbauboom angetrieben, der 2021 von erheblichen Engpässen in der Baustoffversorgung begleitet wird.“ Im Ländervergleich betrifft das Problem vor allem Österreich, wo im Mai 36 Prozent der Baufirmen über Materialmangel klagten, im EU-Schnitt waren es nur elf Prozent. Vom raschen Wirtschaftsaufschwung überrascht, konnten die stillgelegten Produktionen nicht so schnell hochfahren, wie es notwendig gewesen wäre. Also fehlte es schnell an Holz, Stahl und anderen Baurohstoffen.

Entspannung im Jahresverlauf

Doch Entspannung auf dem Markt ist in Sicht. Noch im Jahresverlauf sollte sich die Versorgung mit Baustoffen verbessern, heißt es in der Studie. Auch die Baukosten könnten sich noch heuer normalisieren, prognostiziert Wolf.

Denn inzwischen laufen die Werke wieder. Die Top-20-Sägewerke in Europa beabsichtigen ihre Produktion 2021 um zumindest sechs Prozent zu erhöhen, deutlich stärker als in den fünf Jahren davor. Die deutsche Sägeindustrie, der größte Schnittholzproduzent in Europa, meldete im ersten Quartal 2021 bereits ein Produktionsplus von 18 Prozent.

Für eine Abkühlung der Holzpreise spricht zudem der Rückgang der US-Sägeholz-Futures. Demnach sind die Preise für Lieferungen von Nadelschnittholz im Juli 2021 seit dem Rekordwert Anfang Mai um mehr als ein Fünftel gesunken.

Zwar werden die Stahlpreise aufgrund der unvermindert starken Stahlnachfrage in den nächsten Monaten noch etwas zulegen, so die Einschätzung der Ökonomen. Denn nach einer kurzen Preiskorrektur im März ist Baustahl in Europa in den letzten zwei Monaten wieder etwas teurer geworden. Allerdings rechnet der europäische Stahlverband noch 2021 mit einer leichten Abkühlung der Preise, da das Angebot die Nachfrage einholen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2021)