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Finanzbildung

Von Taschengeld bis Aktien

Verantwortungsvolle Finanzentscheidungen zu treffen ist eines der Ziele der Finanzbildung Jugendlicher.
Verantwortungsvolle Finanzentscheidungen zu treffen ist eines der Ziele der Finanzbildung Jugendlicher.Getty Images
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Kein Luxus, sondern Notwendigkeit ist finanzielle Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen, um verantwortungsvoll mit Geld umzugehen.

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir, wird häufig proklamiert. Was aber, wenn in der Schule wichtige Grundpfeiler für das Leben kaum gelehrt werden – wie etwa der Umgang mit Geld? „Unsere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass ein Großteil der befragten 14-Jährigen findet, dass sie in der Schule zu wenig darüber lernen“, sagt Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik der WU Wien. Die Konsequenz: Bildungslücken, die sich bei irrationalen Konsumentscheidungen oder riskanten Geldanlagen bemerkbar machen. Besonders für Jugendliche ohne Vorwissen ist es oft schwierig, zwischen sachlicher Information und Produktwerbung zu unterscheiden. „Was uns sehr beschäftigt, ist unreflektiertes Konsumverhalten“, sagt Goran Maric, Geschäftsführer von Three Coins, einem Sozialunternehmen aus Wien, das Finanzbildungsprojekte entwickelt. Ein allzu bekanntes Beispiel sind Handyspiele – grundsätzlich zwar gratis, doch zahlungspflichtige Zusatzpakete locken zu kostspieligen Transaktionen. „Viele beginnen schon in frühen Jahren, sich Geld zu borgen oder Sachen zu kaufen, die sie sich nicht leisten können“, weiß Fuhrmann. Flächendeckende Finanzbildung soll dem vorbeugen.

Spiele und Simulationen

Dass die Rufe nach mehr Finanzbildung auch politisch ein Ohr finden, zeigt eine Initiative des Bundesministeriums für Finanzen zur Ausarbeitung einer nationalen Finanzbildungsstrategie. Doch wie soll Finanzbildung für Kinder und Jugendliche gestaltet sein? „Finanzkompetenz soll Spaß machen und Verständnis vermitteln. Es ist keine Raketenwissenschaft“, meint Maric. Von Büchern, Lernvideos und Spielen über Simulationen bis hin zu Wettbewerben gebe es eine große Zahl an didaktischen Methoden. Nur eine geballte Ladung Frontalunterricht voller Fakten und Rechenmodelle sei fehl am Platz. Kinder sollen durch Finanzbildung vor allem die Kompetenz lernen, Geld nicht leichtfertig auszugeben und ihre Entscheidungen zu reflektieren. Dafür müssen unterschiedlichste Lebenssituationen je nach Alter thematisiert werden. „Finanzbildung ist zielgruppenspezifisch“, sagt Maric. Während Volksschüler meistens beschäftigt, wofür sie ihre paar Euro Taschengeld ausgeben, stellen sich für Oberstufenschüler und Lehrlinge oft Geldfragen über den ersten Job oder die erste Wohnung.

Börse und Bitcoin

Auch die Finanzmärkte interessieren junge Menschen zunehmend. Nachrichten über beträchtliche Gewinne durch Aktien oder Kryptowährungen, etwa Bitcoin, locken und können zu Geldfallen werden. Finanzmärkte deshalb zu verteufeln ist jedoch der falsche Weg, sichern sie oft eine ertragreichere Geldanlage als das traditionelle Sparbuch. Aufklärung soll für eine sichere Nutzung sorgen. „Heute ist es wichtiger denn je, sich mit der Thematik Börse und Finanzen zu beschäftigten“, sagt Dennis Krug, Wirtschaftsstudent und Präsident des Akademischen Börsenvereins in Innsbruck. Derzeit benötigt es dafür vor allem Selbststudium und Eigeninitiative. Diese haben die Gründungsmitglieder des Vereins, allesamt Studenten, ergriffen, um die Finanzbildungslücke im Hochschulbereich durch einen Börsenführerschein und Lehrvorträge zu schließen. Der Bedarf sei enorm, „wir waren überwältigt von der Nachfrage.“

Am Interesse mangelt es somit nicht, an Bildungsangeboten ebenso wenig. Warum ist aber die Finanzbildung dennoch so gering? „Es ist wichtig, dass es ausreichend Unterrichtszeit gibt, die Lehrenden fachlich fit sind und sie genug Materialien haben“, sagt Fuhrmann. „Geldthemen sind oft heikle Themen. Es kann Lehrenden schwerfallen, sie anzusprechen, da braucht es Fingerspitzengefühl und Schulungen.“ In Österreich gibt es hier durchaus Aufholbedarf – so viel, dass Maric von einer „kleinen Bildungsreform“ spricht. Lehrpläne sollen adaptiert, Schulungen für Finanzpädagogik stark ausgeweitet und bereits in die Ausbildung von Lehrkräften aufgenommen werden. Ein eigenes Schulfach „Wirtschaft“ könnte den nötigen Rahmen dafür schaffen.

Früh und fächerübergreifend

Aber auch in anderen Fächern soll Finanzkompetenz verankert sein – und das möglichst schon in der Volksschule. Früh übt sich, lautet das Credo. „Man sollte es nutzen, wenn die Kinder das erste Taschengeld oder kleine Geldbeträge von Oma und Opa bekommen“, so Fuhrmann. Finanzielle Verhaltensmuster haben sich in diesem Alter noch nicht etabliert, hier kann man das Fundament für einen bewussten Umgang mit Geld legen. Besonders aus sozioökonomischen Gründen ist es wichtig, Finanzbildung nicht nur den Eltern zu überlassen, sondern für alle Kinder über das Schulsystem zugänglich zu machen. „Als junger Mensch ist es wichtig zu verstehen, wie man eigenständig mit seinem Geld Entscheidungen trifft“, sagt Krug. „Finanzielle Allgemeinbildung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2021)