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Studie

Mehr Bildung nur für Manager

Der alljährliche imh Weiterbildungsindex zeichnet ein eher getrübtes Bild der Bildungsfreudigkeit heimischer Unternehmen.

In der Vorwoche hat die imh GmbH ihren aktuellen Weiterbildungsindex veröffentlicht – eine alljährliche Studie über den Stellenwert der beruflichen Aus- und Weiterbildung in österreichischen Unternehmen. Zu diesem Zweck werden Vorstände, Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Mitarbeiter aus österreichischen Unternehmen aller Branchen befragt.

Auffälligstes Ergebnis: Der imh Weiterbildungsindex (WEBI), ein Maß dafür, wie viel Zeit und Geld Unternehmen in Weiterbildung investieren, ist 2021 mit 45,2 von 120 möglichen Punkten auf einem Tiefstand. Im Jahr 2020 betrug er noch 53,0 Punkte nach 56,0 im Jahr 2019. 2015 war der Wert bei 59,0 Zählern.

Manfred Hämmerle, Geschäftsführer der imh GmbH, stellt daher die Frage, ob Bekenntnisse zur beruflichen Ausbildung in diesen Zeiten ernst gemeint seien: „Zwar sagen neun von zehn der Befragten, dass Weiterbildung wichtig ist. Aber gleichzeitig ist der WEBI auf dem niedrigsten Stand seit Erhebung.“ Bei sich selbst seien die Chefs noch immer großzügig. Denn die eigenen Budgets für Aus- und Weiterbildung werden nicht gekürzt. Die Mitarbeiter allerdings, so ein Ergebnis der Studie, werden diesbezüglich kurz gehalten. Bildungsexperte Stefan Teufl von der UniCredit Academy Austria weist darauf hin, dass immerhin nur zwei Prozent aller Befragten angaben, gar keine Aus- und Weiterbildung zu besuchen. Für Teufl ein erfreulich niedriger Wert.

 

Manager müssen Profis sein

Der Experte sieht einen Zusammenhang zwischen dem Wunsch der Manager nach vermehrter Weiterbildung und der Professionalisierung von Management. „Die Anforderungen an Führungskräfte steigen immer mehr an. Es gibt einfach den Bedarf, in die eigene Entwicklung zu investieren – auch und offenbar insbesondere bei Führungskräften.“

Was die Frage angeht, in welcher Form Aus- und Weiterbildung in den nächsten fünf Jahren stattfindet, sehen die Experten einen eindeutigen Trend zu digitalen Formaten.

 

Digital trotz „Zoom-Müdigkeit“

Zwar gäbe es laut Teufl derzeit einen „Zoom-Fatigue-Effekt“ und zumindest kurzfristig eine „Analogisierung“ mit dem starken Wunsch nach einem „Gegenüber aus Haut und Haaren“. Hämmerle bemerkt in den Studiendaten allerdings „jedenfalls eine deutliche Stärkung von Online-Produkten. Wir sehen eine Verschiebung von analogen Formen hin zu digitalen. Digitale Lernformate haben an Akzeptanz gewonnen. Meine Einschätzung ist: Digital wird bleiben, die Akzeptanz ist da“. Die Zukunft der Weiterbildung sehen beide Experten in der Kombination von digitalen mit klassischen beziehungsweise analogen Weiterbildungsformen, mit einem eindeutigen Trend zu online.

Web: www.imh.at/weiterbildungsindex

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2021)