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Literatur

Odyssee einer 13-Jährigen

Chris Whitaker: „Von hier bis zum Anfang“
Chris Whitaker: „Von hier bis zum Anfang“
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In „Von hier bis zum Anfang“ konfrontiert Autor Chris Whitaker ein Mädchen mit der vollen Brutalität des Lebens. Das schmerzt und berührt zugleich.

Chris Whitakers „Von hier bis zum Anfang“ hat den renommierten Gold Dagger für den besten Kriminalroman des Jahres gewonnen. Nicht zu Unrecht, denn die Odyssee des 13-jährigen Mädchens Duchess geht zu Herzen.

Schon bevor ihre lebensunfähige Mutter Star ermordet wurde, lag Duchess' Welt in Stücken. Neben den üblichen Teenager-Problemen musste sich das Mädchen bereits vor der Gewalttat um ihren kleinen Bruder Robin kümmern, war Star doch nie über den Tod ihrer eigenen Schwester vor dreißig Jahren hinweggekommen. Als die Geschwister nun auf die Farm ihres Großvaters Hal abgeschoben werden – ein Mann, den die beiden nicht kennen –, reagiert das Mädchen widerspenstig. Es berührt, wie die Welten des zornigen Kindes und des Großvaters, der alles schon gesehen hat, aufeinanderprallen. Und dass dieses Kind nicht bereit ist aufzugeben.

Chris Whitaker zeichnet gefühlvoll nach, wie der drei Jahrzehnte zurückliegende Tod eines Kindes das Leben unzähliger Menschen, die teilweise damals noch nicht einmal geboren waren, auch heute noch prägt. So glaubt der Polizist Walk felsenfest an die Unschuld seines Freundes Vincent, der nach 30 Jahren Gefängnis nach Cape Haven zurückgekehrt ist. Doch wer sonst kann Star ermordet haben?

Von dem Kleinstadt-Idyll bleibt am Ende nicht viel übrig. Whitaker schreibt unaufgeregt über Schuld, Freundschaft und Verlust. Die überraschenden Wendungen zum Schluss rühren und schmerzen.

Chris Whitaker: „Von hier bis zum Anfang“, übers. von Conny Lösch, Piper, 448 Seiten, 22,70 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2021)