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Theater

„Tschernobyl“ zeigt dramatisch eine düstere Zukunft

"Tschernobyl" im Odeon Theater
Verstrahltes Gelände: Die Sperrzone rund um den Katastrophen-Reaktor.(c) Bettina Frenzel:
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Alireza Daryanavards Uraufführung im Odeon demonstriert die Langzeitfolgen nuklearer Katastrophen. Die Koproduktion des Kollektivs Hybrid mit Werk X am Petersplatz geht vor allem in stillen Momenten unter die Haut. Am Ende wird sie plakativ. Das Stück spräche auch so für sich.

Auf einer Schaukel an langen Seilen inmitten der Bühne des Odeon-Theaters in Wien schwingt ein Kind (Lorenz Pell). Es hat eine Gasmaske auf. Im Hintergrund arbeitet eine Frau (Anne Wiederhold) an einem Wäscheberg. Weiter vorn sitzt ein Mann (Sebastian Pass) apathisch auf einem Sofa. Vor ihm liegen Luftballons, auf dem Tisch steht stets griffbereit eine halb leere Schnapsflasche.

Währenddessen sind Arbeiter in Schutzanzügen damit beschäftigt, Warnschilder aufzustellen, Radioaktivität zu messen. Sie gehen dafür sogar in den Zuschauerraum. Es surrt, Geigerzähler klicken, Bässe brummen, Taschenlampen irrlichtern, ein finsteres Horrorszenario. An solch höllischem Ort (Szenografie: Geraldine Massing) kann Angst aufkommen. Endzeitstimmung bei der Generalprobe, vor der Uraufführung am Samstag in Wien. Das Drama spielt nahe der ukrainischen Stadt Prypjat im Umfeld des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl. Vor 35 Jahren hat dort in sowjetischer Zeit ein Unfall an einem Reaktorblock zur bisher schwersten Nuklearkatastrophe geführt. Die Auswirkungen werden Zigtausende Jahre andauern. Der kaum gezügelte Brand von Tschernobyl war das Signal für eine Zeitenwende: Menschen beherrschen die Technik naturgemäß nicht immer. Sie werden auch von ihr beherrscht. GAU.