Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Jubiläum

Burgenland: Das ganz andere Österreich

Hundert Jahre Burgenland: „Möge dieses Gebiet, welches viel zu wenig gewürdigt ist, sich besseren Besuches erfreuen“, hieß es schon im Jahr 1889.

Steigt man hinauf zur Franz-Josephs-Warte, einem nostalgischen Aussichtsturm oberhalb von Donnerskirchen, so hat man an guten Tagen fast das gesamte Burgenland im Blick. Im Zen­trum schimmert, wie eine riesige Spiegelscherbe, der Neusiedler See. Nördlich davon zieht sich die Parndorfer Platte bis zum Donautal hin. Nach Süden zu wogen die Hügel des Mittel- und Südburgenlandes. Im Osten aber, jenseits des Sees, geht der Blick ins Ungefähre, findet weder Halt noch Grenze. Dort fängt die Puszta an, der westlichste Zipfel des eurasischen Steppengürtels. Nicht die Höhe macht schwindlig, sondern die Weite. Man könnte elftausend Kilometer von hier bis Wladiwostok reiten und müsste dabei weder zufüttern noch nennenswerte Erhebungen überwinden. Doch die meisten Gäste verbieten sich den Gedanken an solche Eskapaden. Für sie endet hier, wie zu den Zeiten des Eisernen Vorhangs, immer noch die Welt. Und so entgeht ihnen, dass zugleich etwas Neues, gänzlich anderes beginnt.

Noch mancherorts vorhanden: Ziehbrunnen im Seewinkel.
Noch mancherorts vorhanden: Ziehbrunnen im Seewinkel.Stefan Schomann

Mogelpackung? Für die Wiener ist das Burgenland zu nahe, als dass sie ihm die höheren Weihen eines Reiseziels zugestünden. Für ausländische Gäste entspricht es zu wenig den gängigen Vorstellungen von Österreich. Allein schon weil es so flach ist. Wenn sie zum ersten Mal vom Leithagebirge hören, wenden sie sich in alle Himmelsrichtungen um, können aber beim besten Willen nichts entdecken. Welches Gebirge? Wo denn? In jedem anderen Bundesland, von Wien einmal abgesehen, würde es als bewaldete Anhöhe gelten und könnte von Glück sagen, wenn es überhaupt einen Namen trüge. Noch der tiefste Punkt Tirols liegt höher als die Franz-Josephs-Warte. Auch beim Neusiedler See scheint es sich um eine Mogelpackung zu handeln. Einer der größten Seen Mitteleuropas – dabei aber so seicht, dass man zu Fuß hindurchwaten könnte.
Das Burgenland lehrt ein anderes Denken.