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Sanierung

Gartenbaukino: Zurück in die 1960er

(Fast) fertig renoviert: Das Gartenbaukino hat wieder geöffnet.(c) APA/MARTIN FICHTER-W�SS (MARTIN FICHTER-W�SS)
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Nach sieben Monaten Sanierungszeit meldet sich das Gartenbaukino nun zurück: Technisch auf dem neuesten Stand – optisch wiederum (fast) wie zur Eröffnung 1960.

Es kommt nicht allzu oft vor, dass ein Ort nagelneu wirkt, buchstäblich strahlt und glänzt – und doch im unübersehbar schon etwas älteren Kleid der 1960er-Jahre daherkommt.

Im Gartenbaukino kann man sich genau davon ein Bild machen: Denn nach sieben Monaten Umbauzeit präsentiert sich das Lichtspieltheater am Ring runderneuert – und dabei so authentisch wie möglich am Originalzustand, den das Gartenbaukino bei seiner Eröffnung im Jahr 1960 hatte.

Auf den ersten oberflächlichen Blick mag beim Betreten des Foyers alles wie immer aussehen (nur auf Hochglanz poliert), in vielen Details zeigen sich die (Retro-)Neuerungen aber: So kommt die Bar wieder eckiger und kantiger daher als davor, und stellt man sich vor Filmbeginn für Getränke an, lohnt ein Blick nach oben: Denn im Zuge der Umbauten wurde die Deckenmalerei über der Bar freigelegt und rekonstruiert, hier sieht man nun recht große, florale Muster.

Auch die Decken im unteren und oberen Foyer sind jetzt wieder so wie anno 1960, „wir haben im hinteren Winkel zwei Original-Deckenplatten gefunden, die wir rekonstruiert haben“, wie Architekt Manfred Wehdorn sagt, der für die Sanierung des seit 2018 unter Denkmalschutz stehenden Kinos verantwortlich ist.

Auch das Foyer im Gartenbaukino wurde in den Originalzustand der 1960er zurückversetzt: So ist etwa die Bar wieder wie anno 1960.(c) APA/MARTIN FICHTER-W�SS (MARTIN FICHTER-W�SS)

Nachgebaut (nach historischen Fotos) wurden auch die sogenannten Schwanenhalslampen – die Originale waren nicht mehr auffindbar –, die nun wie früher das Foyer beleuchten.

Kosten: 3,3 Millionen Euro

In den Kinosaal selbst – mit 736 Sitzen einer der größten der Stadt – schreitet man über einen frisch restaurierten Kunststoffboden. Der mag andernorts weder auffallen noch als besonders sehenswert gelten – hier ist man stolz darauf, immerhin war das Gartenbaukino 1960 einer der ersten Orte in Wien, die mit einem PVC-Boden ausgestattet wurden.
Die Kinosessel wurden neu gepolstert (und sind nun wie versprochen tatsächlich bequemer als früher), auch im Saal wurden zahlreiche Elemente in den Originalzustand zurückversetzt, etwa die 650 Wandpaneele.

Die 736 Kinosessel wurden neu gepolstert und bezogen.(c) APA/MARTIN FICHTER-W�SS (MARTIN FICHTER-W�SS)

War es an der Oberfläche – auch aufgrund der Denkmalschutzauflagen – viel Feinarbeit, wurde das Gartenbaukino im Hintergrund recht radikal erneuert: Denn auch die Haustechnik stammte noch aus den 1960ern, „sie ist von Kurzschluss zu Kurzschluss geeilt“, sagt Wehdorn. Weil im Kino, wie es Geschäftsführer Norman Shetler formuliert, „jahrzehntelang maßgeblich nichts angegriffen wurde“.

Immer wieder habe Shetler, der seit 2002 die Geschäfte führt, auf die dringende Sanierung der Technik (auch Brandschutz- und Sicherheitstechnik sind nun auf dem neuesten Stand) hingewiesen – bisher hat aber die Finanzierung gefehlt.
Dann kam Corona – und sowohl die Stadt Wien (die mit zwei Millionen Euro den Großteil der Kosten trägt) als auch der Bund (600.000 Euro) haben die überfällige Sanierung möglich gemacht. Weil, wie SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler sagt, „wir ein positives Signal senden wollten“.

Für sie ist das Gartenbaukino „ein magischer Ort“, für Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) ist es gar „eine Ikone unter Österreichs Kinos“. Dass das Gartenbaukino saniert und damit erhalten bleibt, sei nicht nur wichtig für das Haus selbst, sondern auch für die Kinokultur in Österreich „ein Zeichen des Aufbruchs“.

Wie geplant ist die Generalsanierung rechtzeitig zur Viennale (ab 21. Oktober) abgeschlossen. Bis dahin werden Filme gezeigt, die sich mit dem Kino selbst befasse, von Buster Keaton („Sherlock, Jr.“) bis Giuseppe Tornatores „Cinema Paradiso“.

Um das Kinoerlebnis auch für schwerhörige Menschen möglich zu machen, hat das Gartenbaukino nun eine Induktionsschleife. Über die werden – vereinfacht gesagt – Tonsignale des Films so umgewandelt, dass sie über die Hörgeräte gut verständlich sind.

Auf einen Blick

Das Gartenbaukino ist um rund 3,3 Mio Euro generalsaniert worden. Zwei Mio. Euro kommen von der Stadt, 600.000 Euro vom Bund, fast 260.000 Euro kamen durch ein Crowdfunding herein. Das denkmalgeschützte  Gartenbaukino, eines der letzten 1960er-Jahre-Kinos in Wien, steht im Eigentum der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft. Seit 2002 führt Norman Shetler das Kino.

www.gartenbaukino.at