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Lokalkritik

Testessen im Restaurant Shanghai

Restaurant Shanghai
Restaurant Shanghai(c) Minitta Kandlbauer
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Ein unverwüstlicher Kitsch-Chinese aus dem vergangenen Jahrhundert wurde zu einer edlen Fine-Dine-Adresse. Fast ohne Veränderung. Fast.

Manches verändert sich nie. Das Restaurant Shanghai war ein gutes Beispiel. 1963 wurde der Kitschtempel in der Jasomirgottstraße feierlich eröffnet, der zweite Chinese der Stadt. Draußen veränderte sich die Welt kulinarisch, politisch und optisch, drinnen glänzten die Gold­löwen matt, und es schmeckte süßsauer. Fußgängerzonen kamen und blieben, benachbarte Restaurants eröffneten und schlossen, sogar Clubs gab es eine Zeit lang in der Gasse mit Blick auf den Dom. Die blaue Außenfassade blätterte und wurde manchmal wieder neu gestrichen. Nichts änderte sich.

Restaurant Shanghai
Restaurant Shanghaibeigestellt

Bis 2020

Familie Wang holte Tim Urban vom freundschaftlich verbundenen „Sichuan“ ins Geschäft, um den Neustart zu wagen. Dort wacht die Familie Urban-Chao um die Institution im Donaupark. Ein Koch wurde aus Shanghai eingeladen und mit Robert Stark ein weiterer Sommelier neben Tim Urban ins Boot geholt. Und das Wichtigste wurde beibehalten, die Inneneinrichtung blieb die alte. Damit hat Wien plötzlich einen optisch opulenten und feierlichen Chinesen zum Empfehlen. Denn die schönste Nebensache wurde völlig verändert: Speise- und Weinkarte haben nichts mehr mit der alten Ära zu tun, sondern spielen im Fine-Dine-Bereich, neben den weißen und roten Klassikern führen die Herren interessantere, nicht so bekannte Weine, darunter auch solche aus China, etwa einen aus einer Oase aus der Wüste Gobi (Puchang Rkatsiteli, so heißt der Wein, nicht die Oase).

Restaurant Shanghai
Restaurant Shanghai(c) Minitta Kandlbauer

Die erste Vorspeisenplatte (Antipasti? Horsd’œuvres?) stimmt perfekt ein: Minigurkensalat mit Knoblauch und Gärtnereigarantie, ewig geschmorte Rotbarsch-Filets, eingelegter Rettich und mit Reis gefüllte rote, süßliche Lotuswurzel. Es folgen geschmacklich intensive Teigtasche mit noch knackiger Garnele und dann ein klassisches braves Gericht, das in diesem Fall von hohem Handwerk zeugt: Die gebratene knusprige Ente ist an einer Stelle noch rosa, und das Wort „zart“ passt hier zu rosa wie selten zuvor.

Restaurant Shanghai
Restaurant Shanghai(c) Minitta Kandlbauer

Als eigentlicher Höhepunkt wird dann am Tisch das knusprige Orange Beef von der alten X.O.-Milchkuh gefeiert, die Orange schimmert geschmacklich stärker durch als das Alter. Die gegrillte Makrele verrät den guten Fischlieferanten, das Mapo Tofu hätte fast schärfer ausfallen können. Manchmal verändert sich etwas, ohne dass man sich erinnern kann, dass es früher anders war. Es gäbe da noch ein paar Adressen für diese Geheimveränderung.

Info

China-Restaurant Shanghai, Jasomirgottstraße 6, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/533 74 19, Restaurant: Mo–Sa: 11.30–14.30, 17.30–22 Uhr.

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