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In Japan strickten nur die Samurai

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Über begeisterte Stricker von Alan Turing bis Russell Crowe, revolutionäre Knit-ins und Handarbeit als Unabhängigkeitserklärung: „Die Nadeln des Aufstands“ befreit eine Kulturtechnik von ihrem antifeministischen Ruf.

Stricken, eine Frauentechnik? Von wegen. Das Stricken begann als Männerhandwerk, wurde wahrscheinlich im Nahen Osten erfunden und gelangte durch arabische Kaufleute nach Europa. Muslimische Handwerker fertigten im Auftrag der spanischen Königsfamilie die ersten bekannten europäischen Strickstücke an. Im Mittelalter strickten nur die Männer, sogar Zünfte wurden gegründet; Frauen beschäftigten sich vor allem mit dem Weben.

Heute aber hängt dem Stricken in der Öffentlichkeit fast etwas peinlich Verstaubtes und Konservatives, vor allem aber Antifeministisches an. Und das war schon vor 40 Jahren so. „In einer Zeit, in der wir uns als links und feministisch definierten, galt ich als ein Paradox: Außerparlamentarische Opposition und Handarbeiten ließen sich nicht in Einklang bringen“, erzählt die Griechin Katerina Schiná in ihrem Buch „Die Nadeln des Aufstands“ über die Zeit Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre, in der sie sich in der APO engagierte und gleichzeitig das Stricken entdeckte. „Als ich fanatisch strickte, befand sich die Popularität des Strickens in freiem Fall.“ Die nachsichtigsten Genossinnen fanden es exzentrisch, andere peinlich anachronistisch und wider den feministischen Geist. In ihrem originellen Buch unternimmt sie nun eine Ehrenrettung dieser Kulturtechnik – und die Historie liefert ihr dabei eine erstaunliche Menge an Argumenten.