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Leitartikel

Ein Jahr danach: Die Gesellschaft zeigte sich stärker als der Terror

Clemens Fabry
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Der Anschlag von Wien hat individuelles Leid verursacht. Aber er hat Extremisten und Islamisten keinen Schritt weitergebracht.

Wir wissen nicht, was der Attentäter von Wien eigentlich erreichen wollte. Doch was auch immer es war: Ein Jahr danach steht fest, dass der Terroranschlag vom 2. November alle denkbaren Ziele verfehlt hat. Ja, der Anschlag war ein Schock für unsere Gesellschaft, er war grausam für die unmittelbar Betroffenen und hat großes Leid verursacht. Aber: Er hat unsere Gesellschaft nicht verändert. Das Land ist nicht destabilisiert worden, dem Attentäter ist es nicht gelungen, dauerhaft Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Islamistenszene hat keinerlei Auftrieb erhalten. Es handelt sich immer noch um isolierte Grüppchen, die wohl weiterhin brandgefährlich sind, aber mit ihren Ansinnen nicht in die Mitte der Gesellschaft, auch nicht in die Mitte der islamischen Community vordringen.

Die Mehrheitsgesellschaft hat der Versuchung widerstanden, unangemessene Reaktionen zu zeigen. Die Freiheitsrechte wurden nicht eingeschränkt, auch wenn die Diskussionen über eine Sicherheitshaft in diese Richtung gingen. Aber das dürfte inzwischen im Sand verlaufen sein. Auch hat keine relevante gesellschaftliche Gruppe Muslime unter Generalverdacht gestellt. Beides wären Reaktionen gewesen, die sich Attentäter wünschen, weil dies den Extremisten Zulauf verschafft.