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Kammeroper

Eine Oper zum Fürchten wirkt hier zahnlos

Vorbildlicher Einsatz: Timothy Connor und Andrew Morstein in „The Lighthouse“.
Vorbildlicher Einsatz: Timothy Connor und Andrew Morstein in „The Lighthouse“.[ TadW/Herwig Prammer]
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„The Lighthouse“ von Peter Maxwell Davies, realisiert von den Gebrüdern Zlabinger: zu brav.

Dieser Leuchtturm ist ein Tummelplatz des Chaos, das über Menschen und Schicksale herfällt. Ein von Ängsten, Obsessionen, Wahnvorstellungen irrlichtender Ort – zum Fürchten und Krepieren. Des fliegenden Holländers Motto „Wann alle Toten auferstehen, dann werde ich in nichts vergehen“ nimmt sich dagegen harmlos aus. Visionen und mystisches Beiwerk verdichten dazu die Beklemmung im Publikum, das nicht bloß zusehen und zuhören darf, sondern für sich zu entscheiden hat, was wirklich passiert ist und was bloß Trug war. War es ein Unfall oder eine Naturkatastrophe, dass drei Leuchtturmwächter spurlos verschwunden waren?

Das klingt nach Krimi, nach Psychiatrie, aber kaum nach Oper. Doch dank des musiktheatralischen Geschicks von Peter Maxwell Davies (1934–2016) und seines genialischen Talents für Charakterfarben und Szenenmontagen entstand 1980 die Gruseloper „The Lighthouse“, die bald landauf landab gespielt wurde. Auch an der Wiener Kammeroper und am Salzburger Landestheater.

Nun wollte ein junges Team ihre Vitalität neu beweisen. Das Resultat darf sich einigermaßen sehen lassen, es lebt von einem in sich stimmigen Ausdruck der Biederkeit und ungetrübter Verständlichkeit. Da wird nicht lang herumgefuchtelt und gedeutelt, sondern brav erzählt. Architekt Martin Zlabinger vertraut der Geometrie: ein rundes Guckloch als Zwischenkulisse. Sie teilt die Quasi-Realität (im Prolog wird der „Unfall“ gerichtlich untersucht) vom Geschehen der Wärter im Inneren des Leuchtturms. Dort richtet Regisseur Georg Zlabinger handfestes Requisitentheater an, von der Kunst der Abstraktion seines großen Lehrers Christof Loy ist er noch nicht infiziert.

Bei allem Engagement des Wiener Kammerorchesters klingt Davies' so schillernde, irisierende, aufgepeitschte Musik unter Dirigent Michael Zlabinger zahm und geschniegelt. Wo Ecken und Kanten so klar und eindeutig in Noten formuliert sind, dürfte es nicht so zahnlos zugehen. Vorbildlich dagegen der Einsatz von Charakterbariton Timothy Connor und Tenor Andrew Morstein (trotz Grippe tapfer präsent), während Bassist Johannes Schwendinger unentschuldigt einen Abend lang seine Stimme suchte.