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Bühne

Sartres Amokläufer wirkt in Wien deplatziert

Im Werk X wird „Herostrat“ recht dürftig auf die Bühne gebracht.

Ein paar Jahre vor Camus' Roman „Der Fremde“ (1942) ist Sartres Erzählung „Herostrat“ erschienen, wie jener das Psychogramm eines sinnlosen Mords. Allerdings ist der Täter nicht wie bei Camus amoralisch, sondern antimoralisch: Ihn treibt der Hass auf die humanistische Moral und der Ekel vor den Menschen. Wirklich fassbar wird der Charakter nicht, man spürt, wie fremd er Sartre war. Doch die kalte Glut der Erzählung fesselt.

Sogar noch in der Fassung im Werk X am Petersplatz. Die das Wort Dramatisierung nicht verdient: Sie zerstreut Sartres Dramatik eher, als sie zu verstärken. Im Wesentlichen unverändert vorgetragen wird der Text von Victoria Halpern, deren Gedächtnisleistung man bewundern muss. Ihre Darstellung nicht. Wobei die Idee, die Ich-Erzählung eines explizit an Abscheu vor Frauen leidenden Mannes von einer Frau aufsagen – und an einer Stelle sinnwidrig brüllen – zu lassen, wohl auch mit größeren theatralischen Fähigkeiten scheitern würde. Genauso wie der matte Regieeinfall, sie statt mit einem Revolver mit einer Kamera spielen zu lassen, die auch das Publikum einfängt, Moral: Wir könnten alle Opfer sein.

Bevor Halpern am Schluss gar nicht spielt, sondern nur noch den (nun in die dritte Person transferierten) Text vorliest, sieht man sie in einem verwackelten Video über den Wiener Graben laufen. Da wird einem, so wenig der Abend sonst berührt, doch leicht mulmig, gerade ein Jahr nach dem Amoklauf in der Wiener City. Will Regisseur Kai Krösche tatsächlich jene Tat eines radikalen Islamisten mit der von Sartres dezidiert unpolitischem Menschenfeind vergleichen? Das wäre ziemlich dumm.