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Literatur

Wenn Sprache alles ist, was du hast

„Freischwimmen“ von Caleb Azumah Nelson: ein melancholischer Debütroman über fragile Identität und die Liebe.

In the House of My Father“, eine Fotografie des jamaikanisch-britischen Künstlers Donald Rodney, zeigt die Hand des Künstlers, die eine Miniaturskulptur eines Hauses hält, hergestellt aus Rodneys Haut. Diese Fotografie wird in Caleb Azumah Nelsons Debütroman „Freischwimmen“ zum eindringlichen Sinnbild für die Identität des namenlosen Protagonisten. Nelson erzählt von dessen Liebe zu einer Frau – wie man sich findet, annähert, einander wieder abhandenkommt. Dass sich dieser alltägliche, in der Literatur hinlänglich bearbeitete Plot nicht platt und langweilig liest, bewirkt Nelsons sinnliche Erzählweise: Sie sucht die Innerlichkeit der Figuren, ihre wechselnden Rhythmen verleihen dem Text eine körperhafte Musikalität. Musik ist auch ständiger Begleiter des Paares, das von Sounds von Dizzee Rascal, Curtis Mayfield oder Kendrick Lamar begleitet wird. Lamar erhielt 2018 als erster Rapper den Pulitzer-Preis für seine Texte über Polizeigewalt, Depression und die Bilder, die konservative US-Medien von Black Communities zeichnen.

„Trotz deiner Größe immer wieder angerempelt zu werden“, „die ermüdende Praxis des Angesehen-aber-nicht-gesehen-Werdens“ oder Polizeikontrollen: Das sind für Nelsons Protagonisten alltägliche Begebenheiten. Sie lassen Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe in einem nur scheinbar toleranten London zu einer Erfahrung werden, die der Protagonist als Trauma bezeichnet. Ein Trauma, das der Roman umkreist und in Beziehung setzt zu Erfahrungen anderer Künstler:innen: „Wie Baldwin sagt, du denkst, du bist allein damit, bis du anfängst zu lesen“, heißt es, und nicht zufällig sind Zadie Smiths literarische Porträts eines zeitgenössischen multikulturellen London Lieblingslektüre des Protagonisten.