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Produktmanagement

Als Unternehmer im Unternehmen agieren

Liebe zum Produkt, Entwicklungskompetenz und Empathie für Kundenbedürfnisse sind wesentliche Eigenschaften für Produktmanager.
Liebe zum Produkt, Entwicklungskompetenz und Empathie für Kundenbedürfnisse sind wesentliche Eigenschaften für Produktmanager.(c) Getty Images/iStockphoto (nd3000)
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Von der Konzeption über die Entwicklung bis zur Markteinführung.

Zwischen den unterschiedlichsten Abteilungen zu wirken, Synergien zu erkennen und zu schaffen, sie zu koordinieren – das und mehr gehört zu den Aufgaben eines Produktmanagers. Und weil ein Produkt nicht etwas sein muss, was man angreifen kann, sondern auch eine Dienstleistung sein kann, sind die entsprechenden Ausbildungen dazu breit gefächert. Der einschlägige Lehrgang am Wirtschaftsförderungsinstitut beispielsweise spricht Elektrotechniker, IT-Mitarbeiter und Führungskräfte aus dem Lebensmittelhandel gleichermaßen an. „Unser Fokus liegt auf den Grundlagen der Betriebswirtschaft, damit die künftigen Produktmanager als kompetente Gesprächspartner auftreten und in Bereichen wie Deckungsbeitrag oder Cashflow fundiert mitreden können“, sagt Hannes Mair, Trainer beim Wifi-Lehrgang Produkt-Management, der in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Wien angeboten wird. Das Produktmanagement steht auf drei Säulen: strategisch, technisch und markteinführend. Die Absolventen des dreijährigen Lehrgangs, der in Wochenend-Modulen abgehalten wird, erwerben Know-how im Verkaufs- und Innovationsmanagement und im Produktmarketing sowie über rechtliche Grundlagen.

„Vernetztes Denken ist eine der wichtigsten Eigenschaften für Produktmanager“, sagt Mair. Günther Grall, Studiengangsleiter für Design und Produktmanagement an der FH Salzburg, ergänzt: „Neben der fachlichen, analytischen und methodischen Kompetenz sind es für mich vor allem eine ,Liebe zum Produkt‘ und Empathie für die Nutzer und Kunden.“ Eine gewisse Entwicklungskompetenz sei ebenso hilfreich: „Das heißt, mit der Expertise der Kundenbedürfnisse dieses Wissen in den Weiterentwicklungsprozess einfließen zu lassen.“

 

Gesamtverantwortung tragen

Michael Rabl, Leiter der Bachelor- und Master-Studiengänge Innovations- und Produktmanagement/Innovation Engineering and Management an der FH OÖ am Campus Wels, erklärt: „Der Produktmanager agiert als Unternehmer im eigenen Unternehmen und trägt die Gesamtverantwortung für seine Produkte. Da diese Rolle meist eine laterale Führungsfunktion ohne direkte Autorität beinhaltet, sind soziale Kompetenzen von herausragender Bedeutung.“ Der Bogen im Studiengang Innovations- und Produktmanagement spannt sich vom kreativen Ideenfindungsprozess über Marktforschung, Produktanalyse, Konzeptentwicklung und Design bis hin zur technischen Produktentwicklung und Vermarktung. Ab dem zweiten Semester arbeiten die Studierenden an realen Branchenbeispielen und lernen potenzielle Arbeitgeber kennen. Sie arbeiten zwei Semester lang an interdisziplinären Projekten im Bereich Innovationsmanagement für Unternehmen. Bei den Studiengängen zu Design und Produktmanagement an der FH Salzburg liegt der Schwerpunkt auf qualitativer Marktforschung und daraus abgeleiteter Produkt- und Design-Entwicklung: „Auch wenn später Kollegen im Produktmanagement voll ausgelastet sind, so sind diese Zusatzkompetenzen förderlich für die Weiterentwicklung des Angebots und der Unternehmen selbst“, sagt Grall. Der Bachelor-Studiengang bietet ab dem dritten Semester Spezialisierungen auf Möbeldesign, Interior Design oder Industrial Design.

 

Schwerpunkte setzen

Ein Schärfen des Kompetenz-Profils scheint sowohl Grall als auch Rabl sinnvoll. Während der deutschsprachige Bachelor-Studiengang in Wels die Grundlagen des Innovations- und Produktmanagements vermittle, „fokussiert der englischsprachige Master vorwiegend auf spezielle Themen, welche die Studierenden durch individuelle Schwerpunktsetzung in den Bereichen Product Concept Design, Development Process Engineering beziehungsweise Smart Manufacturing vertiefen können“, erklärt Rabl. In den ersten drei Jahren müsse man „arbeitsfähige“ Absolventen ausbilden, ergänzt Grall. Doch um schneller eine leitende Position ausfüllen zu können, sei ein Master ratsam, „da breiter reflektierte Expertise erworben werden kann. Wirklich visionäre Produktkonzepte, welche die Unternehmen voranbringen, entstehen erst in den Masterarbeiten, die dann meist ,gesperrt‘ werden, damit der Vorsprung in die Wirtschaft transferiert werden kann.“

Einen weiteren Studiengang in Innovations- und Produktmanagement bietet Schloss Hofen in Vorarlberg an. Kernbereiche sind Product Life Cycle Management, Remanufacturing, Prozessdesign, Open Innovation und Organisationsentwicklung. Es wird in zwei Ausbildungsvarianten angeboten. Nach drei Semestern ist man akademischer Fachexperte, nach vier Master of Science. Das Curriculum der ersten drei Semester ist für beide Varianten gleich.

Web: www.schlosshofen.at, www.fh-salzburg.ac.at, www.wifi.at, www.fh-ooe.at/campus-wels

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2022)