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Kommunikation

Streitthema Anrede: Sehr geehrt, längst verjährt?

Kommunikation auf Augenhöhe. Überall erwünscht oder doch auch kritisiert?
Kommunikation auf Augenhöhe. Überall erwünscht oder doch auch kritisiert?(c) Getty Images
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Wie man einander im Berufsalltag begegnet.

Minister treten in Turnschuhen auf, die Unternehmensleitung duzt ungefragt ihre Kunden und eine weitreichende Veränderung im allgemeinen Kommunikationsstil ist wahrzunehmen. In sozialen Netzwerken entstehen abstrakte Wortbildungen, jährlich werden neue Jugendwörter gekürt und auch das Binnen-I sorgt für reichlich Gesprächsstoff. „Die Reduzierung von Förmlichkeiten entspricht dem Zeitgeist“, sagt Führungskräfte-Beraterin Jana Völkel-Kitzmann. Aber damit tun sich auch neue Fallgruben auf: „Wo liegt die Grenze zwischen freundlicher Ansprache und respektlosem Auftreten?“

Gendern verändern

„Liebe Mitarbeiter_innen“, „Sehr geehrte Damen und Herren“, „Grüß Gott, Frau/Herr ..“ - Durch alle Berufsbranchen zieht es sich, E-Mails (sowie „Slack“ oder „Teams“ Nachrichten) kurz, prägnant und einfach verständlich zu formulieren. Bleibt Zeit und Raum für eine Alternative zum generischen Maskulin? Diese Frage wird aktuell von Unternehmensleitungen über HR-Chefs bis zum Sekretariat diskutiert.

Selbst in der vermeintlich männerdominierten Automobilbranche ist diese Veränderung im Umgangston präsent. So pflegt Audi seit März 2021 eine gendersensible Sprache. „Bei Anreden nutzen wir in der Regel ausschließlich Vor- und Nachnamen und beginnen Briefe oder E-Mails an Kund_innen beispielsweise mit „Guten Tag Vorname Nachname“ oder „Sehr geehrte Audi Kund_innen“ und verzichten auf geschlechtsspezifische Angaben“, erklärt eine Konzernsprecherin.

(An)sprache prägt unser Dasein und bietet das Handwerk für verbalen Austausch. Das Management-Institut Kitzmann konzentriert sich darauf, die Kommunikation auf digitalen Plattformen auch in die Debatte zu integrieren: „Umgangssprachliche Anreden, wie sie bei Whatsapp und Tiktok üblich sind, tauchen zunehmend in E-Mails und Briefen auf. Aber: „Geschäftspartner sollten nicht mit moin moin oder hej angeschrieben werden, sondern höflich und respektvoll, wenn man professionell kommuniziert“, sagt die Beraterin.

Auch die Haufe-Akademie berichtet von großem Interesse bei ihren Fortbildungsseminaren: „Das Thema Gendern, wie wähle ich die politisch korrekte Ansprache, wird aktuell von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer insbesondere aus dem Bereich Banken, Versicherungen und Behörden sehr hoch priorisiert und wird so zum alltäglichen Standard“, sagt ein Sprecher.

Soziale Medien setzen auf Schnelligkeit

Soziale Netzwerke haben dazu beigetragen, dass die heranwachsende Generation mehrheitlich eher auf eine schnelle Nachrichtenübermittlung als die krampfhafte Anstrengung und Reflexion in der Ansprache setzt. Wofür man bisher acht Wörter und drei Satzzeichen benötigte, wird mittlerweile über ein schnelles „Hi wm u ok?“, nachgefragt, was man denn gerade macht und wie es einem geht. Und selbst das ist viel verlangt: Oft reicht ein simples „Emoji“, um ausführlich zu reagieren. Wobei man anmerken muss, dass Emojis in der Inklusion von diversen Hautfarben, Geschlechtern und kulturellen Merkmalen fortschrittlich sind.