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Weltbank: Rückkehr zum Goldstandard?

(c) EPA (Handout)
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Der Chef der Weltbank fordert ein neues internationales Währungs-System. Die 20 großen Industriestaaten sollten sich beim nächsten Gipfeltreffen darauf einigen, auf Währungsinterventionen zu verzichten.

Wien/hie/Lie./Ag. Im globalen Währungsstreit meldet sich nun die Weltbank zu Wort. Und zwar mit einem Lösungsvorschlag: Weltbank-Chef Robert Zoellick kann sich vorstellen, die Währungen wieder an den Goldkurs zu koppeln. Er fordert ein neues System internationaler Wechselkurse, in dem Gold zum Referenzwert werden könnte. Das neue Währungssystem sollte den US-Dollar, den Euro, den japanischen Yen und den chinesischen Renminbi umfassen, so Zoellick in einem Kommentar in der „Financial Times“.

Zoellick stellt sich eine Art Nachfolgeprojekt von „Bretton Woods“ vor: Mit dem im Jahr 1944 geschlossenen Abkommen wurden international feste Wechselkurse und die Deckung der Leitwährung US-Dollar mit Gold beschlossen. Es musste so viel Gold hinterlegt werden, wie US-Dollar in Umlauf gebracht wurden. In so einem System kann die Geldmenge nicht einfach erhöht werden, wie es etwa die US-Notenbank Fed in der Krise über das Anwerfen der Notenpresse getan hat.

Ökonomen halten einer Rückkehr zum Goldstandard entgegen, dass sich die Geldmenge wegen der Endlichkeit der Goldvorräte nur mehr begrenzt erhöhen könne, was zwangsläufig zur Deflation führe. Anfang der 1970er-Jahre wurde der Goldstandard aufgegeben.

Die „Fed“ unter Beschuss
Das neue Währungssystem soll laut Weltbank-Präsident Zoellick Teil einer gemeinsamen Strategie der großen Wirtschaftsnationen sein: Sie sollten sich darauf einigen, weitgehend auf Währungsinterventionen zu verzichten.

Am Donnerstag treffen sich die G20, die Gruppe der weltgrößten Industriestaaten, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Im Vorfeld spitzt sich der seit Wochen tobende Währungsstreit immer mehr zu: Vergangene Woche hatte die US-Notenbank Fed angekündigt, für 600 Mrd. US-Dollar (430Mrd. Euro) Anleihen zu kaufen. Seitdem stehen die USA unter Dauerbeschuss. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Sonntag, er halte die anhaltende Flutung der Finanzmärkte mit billigem Geld für einen hoch riskanten Irrweg. Sein Regierungskollege, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), bezichtigte die USA der „indirekten Manipulation des Dollarkurses“.

Kritik kam gestern, Montag, auch aus Russland: „Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew wird darauf drängen, dass vor solchen Aktionen demnächst die anderen wichtigen Wirtschaftsnationen konsultiert werden“, sagte ein russischer G20-Beamter.

Unzufrieden mit der Fed ist auch China. Indem sie den Dollar aktiv abwerteten, versuchten die USA, ihre Schulden auf andere abzuwälzen, hieß es aus Peking. „Dass die USA als wichtiger Herausgeber einer Reservewährung zu diesem Zeitpunkt eine zweite Geldspritze initiieren, zeigt ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein dafür, dass sie die globalen Märkte stabilisieren sollten“, sagte Chinas Vize-Finanzminister Zhu Guangyao am Sonntag. Die USA hätten nicht über die Folgen der Geldspritze für die aufstrebenden Wirtschaftsnationen nachgedacht. Peking fürchtet, dass überschüssiges Geld aus den USA nach China fließt und den chinesischen Finanzmarkt destabilisiert.

Die USA weisen die internationale Kritik naturgemäß zurück. Es sei das Mandat der US-Regierung und der Fed, die Wirtschaft in Schwung zu bringen, sagte Präsident Barack Obama am Montag in Neu Delhi. Das sei nicht nur zum Vorteil der USA, sondern komme der Weltwirtschaft zugute. Die USA werfen China schon länger vor, den Renminbi künstlich niedrig zu halten, um die chinesische Exportwirtschaft anzukurbeln.


EZB-Chef versucht zu kalmieren
Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, versuchte am Montag zu beruhigen: Niemand wolle eine Weichwährungspolitik zugunsten der heimischen Wirtschaft betreiben. Allen Beteiligten sei klar, dass hohe Schwankungen an den Devisenmärkten schlecht für Wirtschaftswachstum und Wohlstand seien, so Trichet am Montag nach einem Notenbankertreffen in Basel.

Auf einen Blick

Weltbank-Chef Robert Zoellickspricht sich für ein neues Wechselkurssystem für den US-Dollar, den Euro, den japanischen Yen sowie den chinesischen Renminbi aus. Die Staaten sollten künftig auf Währungsinterventionen verzichten. Wer neues Geld in Umlauf bringt, sollte dieses wieder mit Gold unterlegen müssen. Der Hintergrund: In den vergangenen Monaten haben viele Staaten, um ihre Exportwirtschaft zu stärken, ihre Währungen abgewertet und andere in Zugzwang gebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2010)