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Wissenschaft

Die Schönheit und wo sie uns überall begegnet

Architektur und Graffiti, Bäume und Wasser – ein Spaziergang am Donaukanal kann viel Schönes bringen.Die Presse/Fabry
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Wiener Forschende wollen in Museen und am Donaukanal erproben, wie die Menschen Ästhetisches erleben.

An den Wänden von Helmut Leders Wohnung hängen vorwiegend eigene Werke: ein in dunklen Farbtönen gehaltenes Ölbild aus der Jugend und neuere, abstrakte Bilder, teilweise auch Collagen. Die Kunst begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Um zu begreifen, wie Ästhetik wirkt, hat er sich einst für das Psychologiestudium entschieden. 2004 begründete er mit seiner Berufung an die Uni Wien den Forschungsschwerpunkt Empirische Ästhetik und entwickelte ein Modell des ästhetischen Erlebens: Es beschreibt mögliche Prozesse, die beim Betrachter ablaufen, wenn er Kunst genießt.

Nein, eine allgemeine Definition für Schönheit existiere nicht, so Leder. „Wir bezweifeln, dass es etwas gibt, das alle Menschen schön finden.“ Vielmehr habe sich das Schönheitsempfinden aus Sicht seiner Disziplin biologisch entwickelt und sei individuell ganz unterschiedlich ausgeprägt. Diese Vielfalt sei ein Segen: Sonst würden wir alle dieselben Partner oder dieselbe Kunst lieben und alle Wohnungen würden gleich aussehen.

Liegt die Schönheit also, wie der Volksmund meint, ganz einfach im Auge des Betrachters? Leder schüttelt den Kopf. Die Verkürzung sei zu trivial, der Mensch und all die Aspekte, die ihn beeinflussen, zu komplex. Anders als die Philosophie der Ästhetik gehe man zudem nicht normativ vor: „Wir heben nicht den Zeigefinger. Wir wollen ergründen, wo der individuelle Geschmack der Menschen herkommt“, erläutert Leder.