Klimwandel

Antarktis: Eisberg in der Größe Roms abgebrochen

Das Schmelztempo des Conger Eisschelfs hat sich während der ungewöhnlich milden Temperaturen im März rapide erhöht. (Symbolbild)
Das Schmelztempo des Conger Eisschelfs hat sich während der ungewöhnlich milden Temperaturen im März rapide erhöht. (Symbolbild)APA/AFP/PABLO COZZAGLIO
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Seit Anfang März sind in der Antarktis bereits drei Mal Teile riesiger Eismassen abgebrochen. In der Antarktis ist es seit einiger Zeit um 40 Grad wärmer, als gewöhnlich und um 20 Grad wärmer, als der Monatsrekord.

Im Osten der Antarktis ist ein riesiger Eisberg abgebrochen. Der rund 1200 Quadratkilometer - etwa der Größe der Stadt Rom entsprechende - Koloss soll Mitte März seine Verbindung zum Festland verloren haben, wie der "Guardian" am Freitag unter Berufung auf Polarforscher berichtete. Zuvor hatte bereits das Nationale Eiszentrum der USA bestätigt, der bisher als Conger-Eisschelf bekannte Eisberg habe sich abgelöst.

Als Eisschelf oder Schelfeis werden große Eisplatten bezeichnet, die auf dem Meer schwimmen, aber mit dem Festland verbunden sind. Die NASA-Expertin Catherine Colello Walker beschrieb das Ereignis im "Guardian" als "einen der bedeutsamsten Abbrüche in der Antarktis seit den frühen 2000er-Jahren". Zwar rechnet die Forscherin nicht mit größeren Auswirkungen, warnte jedoch: "Es ist ein Anzeichen für das, was kommen mag."

Schmelztempo seit Anfang März rapide erhöht

Das Conger-Eisschelf sei bereits seit Mitte des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende geschrumpft, aber nur sehr allmählich - erst Anfang 2020 habe sich das Tempo deutlich erhöht, sagte Walker. Am 4. März dieses Jahres sei die Oberfläche des Eisbergs dann nur noch halb so groß gewesen, wie noch im Jänner. Satellitendaten zufolge soll der Koloss kurz danach angefangen haben, sich in Bewegung zu setzen.

Der Experte Matt King, der in Australien ein antarktisches Forschungszentrum leitet, geht nicht davon aus, dass der Abbruch des Eisschelfs zu einem starken Anstieg des Meeresspiegels führen wird, da der Gletscher dahinter klein sei. Aber: "Wir werden angesichts der Erderwärmung mehr Schelfeis abbrechen sehen", sagte King dem "Guardian". "Wir werden riesige Eisberge, viel größer als diesen, abbrechen sehen, die bisher große Eismassen zurückhalten - genug, um den weltweiten Meeresspiegel deutlich ansteigen zu lassen."

Das Abbrechen des Conger Eisschelfs ist aber nicht die einzige Bewegung im antarktischen Eis in letzter Zeit. Helen Amanda Fricker, Professorin für Gletscherforschung am Scripps Polarzentrum, weist darauf hin, dass im März bereits drei Mal Teile eines Gletschers in der Antarktis abgebrochen sind. Forschende befürchten außerdem, dass der sogenannte „Doomsday Gletscher“ in der Antarktis kurz vor dem Zusammenbruch steht - ein Eisberg, der so groß ist, dass sich der Meeresspiegel durch eine Schmelze maßgeblich heben könnte. Professor Andrew Mackintosh von der Monash Universität betont, dass ein großflächiger Abbruch wie der des Conger Eisschelfs sehr ungewöhnlich sei und auf die aktuellen hohen Temperaturen in der Antarktis zurückzuführen sein könnte. Um diesen Zusammenhang herzustellen, brauche es aber noch weitere Forschung.

40 Grad wärmer, als für die Region üblich

Peter Neff, ein Gletscherforscher an der Universität von Minnesota meint gegenüber dem „Guardian“, dass das schnelle Scheiden des Gletschers für ihn eine Überraschung war. „Wir tun immer noch so, als sei der Osten der Antarktis dieser massive, große, trockene, kalte und immobile Eiswürfel. Der aktuelle Forschungsstand zeigt auf, dass es hier aufgrund anderer geometrischer Gegebenheiten nicht zu denselben hohen Raten an Eisverlust kommt, wie in der westlichen Antarktis. Dieser Abbruch wird die Forschung auf diesem Gebiet antreiben, insbesondere, wenn er auf die extreme Hitze Mitte März zurückzuführen ist“, sagt Neff.

Im Osten der Antarktis ist nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) zurzeit eine "außergewöhnliche und beispiellose Hitze" zu beobachten. Am 18. März seien an der Forschungsstation Concordia minus 12,2 Grad gemessen worden, hieß es in dieser Woche. Das sei 40 Grad wärmer als für diese Region im Schnitt um diese Jahreszeit üblich, und 20 Grad mehr als der vorherige Rekord im März.

Die ganze Region gilt eigentlich als trockenste, windigste und kälteste Region der Welt. Grund für die beispiellosen Temperaturen sei ein "atmosphärischer Fluss", erklärten Meteorologen. Als atmosphärischer Fluss wird ein Band mit feuchtigkeitsgesättigter Luft ein paar Kilometer über der Erdoberfläche bezeichnet, der Wärme und Feuchtigkeit transportiert. Es sei nun weitere Forschung notwendig, betonten viele Experten - auch um einen möglichen Zusammenhang mit dem Abbruch des Eises zu klären.

(APA/red.)

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