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Kritischer Blick auf Biomasse

Holzpellets auf dem Vormarsch
Diese Holzpellets sind aus Sägespänen hergestellt - aus Klimasicht die beste Variante.(c) dpa/dpaweb (A2070 Rolf Haid)
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Während die Euphorie um Holz als Energieträger weit verbreitet ist, wirft die „Forest Defenders Alliance“ einen kritischen Blick auf die Biomasse und protestiert vor den Türen, hinter denen die „European Perllets Conference“ am Mittwoch in Wels über die Bühne geht.

Titel und Untertitel einer europaweiten Analyse der „Forest Defenders Alliance“ rütteln auf: „Die Zukunft in Flammen – Wie die EU Bäume im Namen der erneuerbaren Energien verbrennt“. Der Bericht ist am Dienstag veröffentlicht worden. Kernpunkt ist die Frage, aus welchen Quellen jenes Holz stammt, mit dem eine Biomasseanlage befeuert wird.

Luke Chamberlain, einer der Hauptautoren: „Biomasse wird als die Lösung der Klimaprobleme dargestellt. Allerdings kann das trügerisch sein – denn es kommt ganz darauf an, welches Holz da in Flammen aufgeht.“ Chamberlain spricht sich vehement dagegen aus, dass Rundholz als Biomasse endet – und damit in letzter Konsequenz Bäume gefällt würden. „Das löst kein Klimaproblem, sondern verschärft es“, sagt Chamberlain. Auf die Lebensdauer des einzelnen Baumes umgelegt sei der Vorgang zwar klimaneutral – es werde soviel Kohlendioxid ausgestoßen, wie der Baum zuvor gebunden hatte; aber in der Gegenwart gebe es eine zusätzliche CO2-Emission.

Der Bericht der „Forest Defenders Alliance“ (FDA) hat eine Internet-Recherche angestellt und große europäische Biomasse-Heizwerke und große europäische Pellets-Erzeuger unter die Lupe genommen, insgesamt 43 Anlagen. Experten kritisieren allerdings die Methode, denn Biomassekraftwerke befänden sich des öfteren in der Nähe von Sägewerken. Lagerplätze seien also nicht immer eindeutig zuzuordnen. 

Jedenfalls ist die Feststellung des Reports, dass an diesen Standorten auch große Mengen von Rundholz lagern, was grundsätzlich ihre kritische Haltung befeuert. Diese Lagerungen sind mit Fotos, teilweise auch mit Videos dokumentiert. Festgehalten wird, dass „mit den Fotos nicht dokumentiert werden kann, was für die energetische Nutzung verbrannt wird oder was für die Herstellung von Pellets verwendet wird.“ Die Fotos, so heißt es weiter, belegten lediglich, dass Rundholz gelagert worden sei.

Dunkelziffer wird größer

Als besorgniserregend wird schleißlich auch betrachtet, was der von der EU-Kommission beauftragte Bericht („The Use of Woody for Biomass Production in the EU“) zutage fördert: Die Schere zwischen gemeldeten und tatsächlich stattfindender energetischer Nutzung von Holz gehe immer weiter auf, die Dunkelziffer werde also größer. Derzeit liege die Diskrepanz europaweit bei 20%, allerdings mit starken regionalen Abweichungen.

Wien Energie ist ein Beispiel, das von der FDA besonders herausgehoben wird, zumal hier auf den Fotos besonders große Mengen an Rundholz zu sehen gewesen seien. Alexander Hoor, Sprecher von Wien Energie, meint dazu, dass ausschließlich Hackgut von den Österreichischen Bundesforsten verwendet werde. Zur Verarbeitung gelange ausschließlich Holz minderer Qualität, für das keine höherwertige Verwendung möglich sei. „Säge-Rundholz ist nicht dabei“, so das Statement.

Die fotografierten Lagerflächen stehen allerdings nicht im Eigentum von Wien Energie, sondern in jenem der Österreichischen Bundesforste. Deren Sprecherin Andrea Kaltenegger  bestätigt die Authentizität der Fotos, die FDA im Dezember geschossen hat, und sagt: „Im Video und auf einem Foto (von FDA, Anm.) ist der Hackplatz der Österreichischen Bundesforste für das Wald-Biomasse-Kraftwerk Wien Simmering zu sehen. Es handelt sich um Holz minderer Qualität aus der nahen Umgebung, das weder in der Zellstoff- noch in der Sägeindustrie verwendbar wäre. Weil die Nachfrage nach Biomasse aufgrund des Ukraine-Krieges derzeit steigt und die Verfügbarkeiten schwanken können, haben wir in den letzten Wochen am Hackplatz vorgesorgt und zusätzliche Reserven angelegt.“

„Stoffliche Verwertung hat Vorrange"

Die „Forest Defenders Alliance“ holt auch die Linz AG vor den Vorhang, die beim Fernheizkraftwerk Linz-Mitte Rundholz lagert. Auch Hubert Pauli, Ingenieur der Linz AG, der von Anfang an und somit mehr als 20 Jahre das Projekt des Fernheizkraftwerks betreut, bestätigt die Authentizität der FDA-Fotos. „Anfangs haben wir nur Hackgut gelagert, waren dann aber sehr bald auch mit Problemen konfrontiert“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“. „Das Holz hat teilweise begonnen zu schimmeln. Wichtig sei außerdem, dass „wir konstante Qualität liefern können und Versorgungssicherheit bestehen muss.“

Derzeit gebe es Verträge mit fast 500 Lieferanten. Gelagert werden Vorräte für drei Monate. „40% sind Hackgut, 60% Rundholz“, so Pauli, wobei der Experte dazusagt, dass „stoffliche Verwertung (also die Verarbeitung des Holzes zu langlebigen Produkten, Anm.) immer Vorrang haben und die nachhaltige Forstwirtschaft selbstverständlich sein muss.“

Aus dem „Holz-Flussbild“ – der detaillierten Analyse der gesamten österreichischen Holzindustrie (inklusive Im- und Exporte) – ist ein starker Einsatz von Rundholz zur Energiegewinnung derzeit nicht herauszulesen. Lorenz Strimitzer, Experte der österreichischen Energieagentur: „Es wäre ökonomisch nicht darstellbar, wenn Säge-Rundholz zur energetischen Nutzung eingesetzt würde.“ In den vergangenen 20 Jahren habe die Biomasse-Nutzung zugenommen, seit fünf, sechs Jahren flache sich der Einsatz aber ab. Insgesamt bestehe derzeit in Österreich noch Luft nach oben: Die Waldfläche vergrößere sich derzeit mehr, als die Nutzung der Ressource Holz zunehme. Strimitzer: „Gesellschaftlich ist es wohl ohnehin nicht akzeptiert, dass der gesamte Zuwachs an Holz genutzt wird. Potenziale wären aber noch vorhanden.“

40 Prozent „Säge-Nebenprodukte"

Georg Jeitler, Leiter der Abteilung von „Forschung und Innovation“ bei „Hasslacher Norica Timber“, betont: „Wir verwenden für Pellets ausschließlich Späne und Hackgut.“ Es sei davon auszugehen, dass „60 bis 65, ausnahmsweise vielleicht 70 Prozent“ eines Baumes zu Brettern und Kanthölzern verarbeitet werden können, die übrigen „Säge-Nebenprodukte“ könnten zu energetischen Nutzung eingesetzt werden. Genutzt würden schließlich auch die Späne, die beim Hobeln anfallen.

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