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Oper

Operndirektor hat Buhrufe nicht verboten

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Bei der "Tristan"-Generalprobe gab es Unmutsäußerungen gegen die Regie. Direktor Roščić reagierte darauf, indem er den Buhrufern  nahelegte, lieber eine reguläre Aufführung zu besuchen.

Dass bei der Generalprobe einer Oper nach einem Akt lautstarke Unmutsäußerungen erschallen, ist durchaus ungewöhnlich. Bei jener von "Tristan und Isolde" unter der Regie von Calixto Bieito war dies am Montagvormittag - drei Tage vor der Premiere am Donnerstag - der Fall. Darauf erschien Staatsoperndirektor Bogdan Roščić vor Beginn des zweiten Aufzugs vor dem Vorhang und wandte sich ans Publikum. "Die Presse" hat darüber im Dienstagblatt in einer Kurzmeldung berichtet - und, sich auf den mündlichen Bericht eines ihr bekannten Besuchers stützend, geschrieben, Roščić hätte Buhrufe als Zumutung für die Sänger bezeichnet und verboten sowie gedroht, im Wiederholungsfall den Saal räumen zu lassen.

Das hat Roščić aber nicht gesagt. Dass er von manchen so verstanden wurde, mag daran liegen, dass er teils in lauten Applaus hinein sprach. Eine Videoaufzeichnung der Staatsoper belegt, dass er im Wortlaut Folgendes sagte:

„ Meine Damen und Herren, es ist an anderen Theatern bei Generalproben, bei denen gebuht wurde, vorgekommen, dass die Probe geschlossen wurde, dass jetzt alle nachhause müssen." (Langer Applaus.) „Das passiert hier heute nicht. Das hier ist ein Ort der Freiheit, daher auch der freien Meinungsäußerung. Denen unter Ihnen aber, die meinen, ihrem Unmut auf diese Weise Ausdruck verleihen zu müssen, denen möchte ich Folgendes zu bedenken geben: Sie sind hier Gäste bei einer Probe der Wiener Staatsoper, es ist keine Vorstellung, niemand von Ihnen hat sich eine Karte kaufen müssen.“ (Applaus.) „Die Künstler sind in einem sehr fragilen Moment, es ist zehn Uhr früh, man soll ,Tristan und Isolde´ singen - diejenigen unter Ihnen, die sich mit solchen Dingen auskennen, wissen, was das bedeutet -, und es ist die letzte Gelegenheit, wo man noch etwas verändern kann, wo man das, was man ausdrücken möchte, ob es einzelnen von Ihnen so gefällt oder nicht, ausdrücken kann. Das ist das, was hier passiert. Wenn Sie buhen möchten, kaufen Sie sich bitte eine Karte und kommen Sie zu einer Vorstellung." (Langer Applaus.) „In diesem Sinne setzen wir – und zwar alle, das gesamte Haus, das Orchester, die Solisten, der Chor, die Technik – diese Generalprobe der Wiener Staatsoper fort. Vielen Dank."

Das lässt sich als heftiger Tadel der Buhrufer interpretieren, nicht aber als Verbot. Laut Video rief die Ansprache des Direktors jedenfalls lautstarken Beifall und Bravorufe hervor. Das belege, so Roščić zur „Presse", "dass, wie auch in regulären Vorstellungen, die überwältigende Mehrheit des Publikums dezidiert gegen solche Störungen ist". (red.)