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Interview

Bruegel-Chef: "Der Kreml macht enorme Profite"

Auch in der Schuldenpolitik müsse Europa „zurück zu den Regeln“, fordert Bruegel-Chef Guntram Wolff.
Auch in der Schuldenpolitik müsse Europa „zurück zu den Regeln“, fordert Bruegel-Chef Guntram Wolff.Jana Madzigon
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Wladimir Putin sei der größte Profiteur hoher Preise, sagt Bruegel-Chef Guntram Wolff. Krieg und Pandemie seien an der halben Inflation schuld – die Notenbanken für die zweite Hälfte.

Die Presse: Der Ukrainekrieg hat Europa eine massive Teuerung und Versorgungskrisen beschert. War die bisherige Reaktion der EU-Staaten angemessen?

Guntram Wolff: Diese Attacke Russlands auf die Ukraine ist ein Schock für das ganze System Europas und hat massive geopolitische und geo-ökonomische Auswirkungen. Ich glaube, die westliche Welt und die EU haben sehr resolut reagiert. Mit einigen Sanktionen hat Russland nicht gerechnet, gerade die Sanktionen gegen die Zentralbank und im Technologiebereich schwächen Russlands Fähigkeit, Krieg zu führen. Aber es ist auch so, dass wir weiter sehr viele Rubel nach Russland schicken, indem wir Öl und Gas importieren. Von dieser Abhängigkeit haben wir uns noch nicht befreit.

Der politische Wille, das zu ändern, ist bei vielen Mitgliedsländern da. Die Frage ist, ob es auch wirtschaftlich verkraftbar wäre.

Da geht es einerseits darum, wie sehr wir uns darauf vorbereiten, ohne russisches Öl und Gas auszukommen. Da ist enorm viel passiert. Andererseits hatten wir noch nicht den politischen Mut, die Importe zu stoppen oder noch besser höher zu besteuern. Wäre das Embargo vom Tisch, wäre plötzlich auch eine enorme Sicherheit im globalen Energiemarkt da. Russland ist der größte Gasexporteur und der zweitgrößte Ölexporteur der Welt. Solang Marktteilnehmer fürchten müssen, dass dieser Lieferant ausfällt, steigen die Preise enorm. Die EU hat die Idee, Einfuhrzölle statt Embargos zu verhängen, zu rasch beiseitegelegt. Da gibt es ein falsches Verständnis in der Politik, wie Russlands Einnahmen am besten zu schmälern sind. Aktuell gehen sie nach oben, weil die Preise steigen und die Mengen nicht sinken. Der Kreml macht enorme Profite.

Die westlichen Regierungen suchen auch eine Antwort auf die hohen Energiepreise. Sie greifen in den Markt ein, erfinden Preisobergrenzen und Tank-Rabatte. Sind sie auf dem richtigen Weg?